„Accordate“ im Krönungssaal: Klassische Hommage an einen neu entdeckten Meister

„Accordate“ im Krönungssaal : Klassische Hommage an einen neu entdeckten Meister

Mit dem nächsten Konzert in der aktuellen Accordate-Reihe können sich die Fans klassischer Musik wieder auf einen weiteren besonderen Leckerbissen in Sachen Kammermusik freuen. Damit nicht genug.

Wegen Corona haben die Spielzeiten heute ungewohnte Dimensionen: Am Sonntag, 24. April, steht bei der aktuellen Accordate-Kammermusikreihe im Krönungssaal des Rathauses das dritte Konzert an, wobei es noch nicht das letzte sein wird.

Die Freunde der hochklassigen Kammermusik können sich also auf zwei weitere Leckerbissen freuen: Das Trio Wanderer wird die Spielzeit – so ist der Plan – im Herbst beenden, das Aris Quartett sorgt für einen fulminanten Abend im Rathaus, bevor für Accordate die Sommerpause beginnt. Fulminant vor allem durch die Programmauswahl mit Franz Schuberts Streichquartett in G-Dur, aber auch durch „Fünf Stücke für Streichquartett“ von Erwin Schulhoff, mit dem das Aris Quartett die Konzerte eröffnen wird.

Schulhoff wurde erst nach der Jahrtausendwende wieder entdeckt, was angesichts der Experimentierfreude und Radikalität in seinen Kompositionen spät erscheint. Er beschäftigte sich mit allen Stilrichtungen, die in den 1920er Jahren aktuell waren: Expressionismus, Dadaismus, Neue Wiener Schule, Jazz. Heute gilt er als einer der wichtigsten Vertreter der tschechischen Moderne.

Schulhoff wurde 1894 in Prag geboren und starb 1942 als Staatsangehöriger der Sowjetunion im Internierungslager für Bürger anderer Staaten in der bayrischen Wülzburg an Tuberkulose. Als Jude und Kommunist wurde Schulhoff im Naziregime verfolgt, seine Musik galt als entartet und wurde bereits ab 1933 in Deutschland, ab 1939 auch in Tschechien verboten. Nach dem Krieg gerieten seine Werke in Vergessenheit. „Fünf Stücke für Streichquartett“ entstand bereits 1927. „Motorisch, von fast französischer Delikatesse sind die beiden Allegrosätze Nr. 1 und 3, ein ironischer Seitenhieb auf Wiener Walzer-Sentimentalität steht an zweiter, eine verhinderte Serenade an vierter Stelle. Im Finale hat Schulhoff seiner böhmischen Heimat ein volksmusikalisch inspiriertes Denkmal gesetzt“, heißt es bei www.kammermusikfuehrer.de. Auch Hans-Werner Huppertz, künstlerischer Leiter der Accordate-Reihe, findet Schulhoffs Miniaturen – gerade einmal zehn Minuten werden benötigt – „extrem fetzig und virtuos“.

Deutlich mehr Zeit wird das „Aris Quartett“ für Schuberts Streichquartett in G-Dur aufwenden. „Es war Schuberts letztes Streichquartett, das er in seinem kurzen Leben erschaffen hat. In seiner Tiefe und Durchdringung ist die Nähe zum Streichquintett – dem Gipfel der Kammermusik – bereits zu spüren“, erklärt Huppertz. „Die himmlischen Längen sind schon da. Die 50 Minuten fühlen sich an wie fünf.“ Nach einer Stunde wird das Accordate-Konzert am Sonntag auch beendet sein, denn wegen der nach wie vor bestehenden Begrenzung der Besucherzahlen im Krönungssaal wird das Aris Quartett ein kürzeres Programm zwei Mal präsentieren (16.30 und 19 Uhr).

Besetzt ist das 2009 an der Frankfurter Musikhochschule gegründete Quartett mit Anna Katharina Wildermuth und Noëmi Zipperling (Violine), Caspar Vinzens (Viola) und Lukas Sieber (Cello). Nach Stationen in der Elbphilharmonie Hamburg, der Wigmore Hall in London, dem Konzerthaus Wien oder dem Concertgebouw Amsterdam wollen sie nun das besondere Ambiente des Krönungssaals kennenlernen.

Karten für beide Konzerte gibt es unter Telefon 02151/5121465 oder E-Mail huppertz@accordate.de.