Nach anderthalb Jahren: Kirche in Inden feiert Wiedereröffnung nach Hochwasser

Nach anderthalb Jahren : Kirche in Inden feiert Wiedereröffnung nach Hochwasser

Nach anderthalb Jahren öffnet das evangelische Gemeindezentrum in Inden/Altdorf am ersten Advent wieder seine Türen. Anlässlich dessen kommt für ein Konzert ein ganz besonderer Künstler vorbei.

Wer die evangelische Kirche in Inden betritt, dem steigt sofort der typische Geruch in die Nase, den Renovierungsarbeiten mit sich bringen. Vor 25 Jahren, im Zuge der Umsiedlung, ist das Gotteshaus mit dem angeschlossenen Gemeindezentrum gebaut worden. Statt dem Jubiläum wird aber am Sonntag erst einmal die Wiedereröffnung gefeiert (Infobox).

Seit die Inde im Juli 2021 den Keller überspülte und 20 Zentimeter hoch Wasser im Erdgeschoss stand, sind die Räume nicht mehr nutzbar gewesen. Das Gemeindeleben hat sich in der Zwischenzeit an den zweiten Standort der Kirchengemeinde, nach Langerwehe verlegt. Pfarrer Daniel Müller Thór hat seinen Schreibtisch im Raum der Krabbelgruppe aufgestellt, die wiederum fand Unterschlupf im Jugendraum. „Zeitweise waren alle Räume gleichzeitig belegt“, beschreibt der Pfarrer, wie die Gemeinde zusammengerückt ist.

Er und seine Familie waren auch persönlich betroffen, weil sie im benachbarten Pfarrhaus leben. Das Wohnhaus hatte im Vergleich zu Kirche und Gemeindezentrum Priorität bei der Renovierung. Trotzdem hat die Familie knapp ein Jahr in einer Zwischenunterkunft gelebt und konnte Mitte Juni wieder in ihr Zuhause einziehen.

Daniel Müller Thór ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Inden/Altdorf.
Daniel Müller Thór ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Inden/Altdorf. Foto: Anne Schröer

Nebenan dauerten die Arbeiten noch deutlich länger. Zunächst stand wie so oft die Frage der Finanzierung im Raum, später musste geklärt werden, welche Betriebe die Arbeiten übernehmen können. „Wir haben das große Glück, eine Ehrenamtliche im Kirchenvorstand zu haben, die unsere Baukirchmeisterin und von Haus aus Architektin ist. Über sie sind wir an Handwerker gekommen“, ist Müller Thór dankbar für die Unterstützung.

Der Keller musste komplett entkernt, die Sanitäranlagen und die Haustechnik ersetzt werden. Im Kirchsaal wurde im Dezember der komplette Boden rausgestemmt. Unter dem Estrich war es trotz laufender Fußbodenheizung immer noch nass, berichtet Müller Thór. Bis Januar 2022 wurde ausgebaut, nach dem Trocknen musste alles erneuert werden. Dann gab es Probleme bei der Materialbeschaffung und Verzögerungen – auch wegen Corona – bei den Abläufen. „In den Sommerferien haben wir gemutmaßt, wohl zum ersten Advent wieder öffnen zu können. Aber ich persönlich hätte nicht gedacht, dass es wirklich so lange dauert“, sagt der Pfarrer. Es war gut, dass wir so einen realistischen Zeitrahmen gesetzt haben.“

Vor wenigen Tagen sind noch die Fußleisten angeschraubt, die Möbel aus dem Zwischenlager hergebracht und die Mikrofonanlage in Betrieb genommen worden. Einige Kisten mit Material und Büchern fehlen zwar noch, aber am Wochenende wird erst einmal gefeiert. „Dann machen wir einen Haken an die Zeit der Bauarbeiten und der Notlösungen“, sagt Müller Thór.

 Kanzel, Kreuz und Bilder wurden während der Bodenarbeiten zum Schutz abgedeckt.
Kanzel, Kreuz und Bilder wurden während der Bodenarbeiten zum Schutz abgedeckt. Foto: Daniel Müller Thór

Er freut sich besonders darauf, allen Helfern und besonders den Gemeindemitgliedern Danke zu sagen – für die tatkräftige Unterstützung, aber auch für die Geduld der vergangenen anderthalb Jahre. „Besonders für Ältere aus Inden, die mit dem Rollator unterwegs sind, wird es eine riesengroße Freude sein, wieder in ihre Kirche zu können“, meint er. „Eine Kirchengemeinde lebt davon, Gemeinschaft anzubieten und Gemeinschaft zu stiften. Und das ist hier jetzt endlich wieder möglich.“