Erkelenz: „Kirche entdecken”: Ungewöhnliches Osterfenster steht im Mittelpunkt

Erkelenz: „Kirche entdecken”: Ungewöhnliches Osterfenster steht im Mittelpunkt

Wer die evangelische Kirche am Martin-Luther-Platz von innen kennt, dem dürfte das Altarfenster mit dem auferstandenen Christus aufgefallen sein. Anstelle der sonst eher leidensbetonten Darstellung Jesu strahlt das Bild eine Leichtigkeit und Zuversicht aus, die in die österliche Zeit passen, weshalb es auch „Der tanzende Jesus” genannt wird.

Es stammt von dem Düsseldorfer Künstler E. O. Köpke und wurde 1959 nach langer Diskussion innerhalb der Kirchengemeinde eingebaut. „Das Motiv war damals revolutionär und stieß nicht nur auf Gegenliebe”, betont der Heimatforscher Hans-Josef Broich, der auch dem Ausschuss für Theologie, Gottesdienst und Kirchenmusik der Gemeinde vorsteht. Gemeinsam mit Pastor Günter Jendges hat er die Beschäftigung mit dem Osterfenster und auch dem dreiteiligen Pfingstfenster in der evangelischen Kirche initiiert.

Der Gedanke einer Darstellung des Herren ist in der evangelischen Kirche am Niederrhein mit ihren calvinistischen Ursprüngen nicht sehr verbreitet. Erst nach dem Krieg wuchs die evangelische Gemeinde in Erkelenz um das Zehnfache auf rund 3000 Mitglieder an. Mit den neuen Gemeindemitgliedern kamen auch neue Ansichten nach Erkelenz, die sich unter anderem in dem Umgang mit bildlichen Darstellungen niederschlugen, wie Pastor Jendges zu berichten weiß.

Das Osterfenster steht am 13. April ab 19.30 Uhr im Mittelpunkt des Interesses. „Neben der Bildbesprechung werden auch Meditationen und Gesänge für einen Zugang zum Dargestellten führen”, umschreiben Broich und Jendges das Konzept der ökumenisch ausgerichteten Veranstaltung. Sicher werde damit ein so großes Publikum erreicht wie bei „Erkelenzer lesen die Bibel” in St. Lambertus. „Es wird ein intimer Rahmen sein, der musikalisch auch von Kantorin Daniela Müller gestaltet wird”, so Jendges, der sich über jeden Teilnehmer freut.

Über die christliche Botschaft der Bilder hinaus handelt es sich um Kunstwerke, die auch losgelöst von der Botschaft betrachtet werden können. Weniger gegenständlich ist das „Pfingstfenster” im Seitenschiff der Kirche, ebenfalls von dem Künstler E. O. Köpke, das im Jahr 1994 von Ulrich Dahlke gestiftet wurde. Trotzdem ist es nicht weniger beeindruckend und erschließt dem Betrachter auch durch seine Dreiteilung und Formstrenge eine Vielzahl an interpretatorischen Möglichkeiten. Das Pfingstfenster wird am 18. Mai (ebenfalls ab 19.30 Uhr) im Mittelpunkt der Betrachtungen und der gemeinsamen Diskussion stehen.

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