Leserbriefe zum Radverkehr in Aachen: Kennzeichnungspflicht für Radfahrer gefordert

Leserbriefe zum Radverkehr in Aachen : Kennzeichnungspflicht für Radfahrer gefordert

Ob es die Studie des ADFC zu den Aachener Knöllchen ist oder der geplante Radschnellweg oder das allgemeine Mit- und Nebeneinander von Rad- und sonstigem Verkehr in Aachen – kaum ein anderes Thema polarisiert in Aachen mehr als der Radverkehr. Entsprechend viele Leserbriefe haben uns dazu erreicht.

Uwe Boester schreibt zur ADFC-Studie:

Die genannten Zahlen und daraus abgeleiteten Interpretationen des ADFC werden im Zeitungsartikel nicht kritisch hinterfragt. Eine berechtigte Klarstellung von Seiten des Ordnungsamtes wird lediglich kurz erwähnt, zu den Annahmen des Texts und der „Auswertung“ der vorgestellten Daten des ADFC gibt es keine Information.

Die „Knöllchendaten“ in der Karte zeigen die Verteilung der Ordnungswidrigkeiten recht genau. Die Schwerpunkte der Kontrollen des Ordnungsamtes und somit auch der Verstöße liegen in der Innenstadt und Burtscheid. Da dort wahrscheinlich der größte Parkdruck herrscht und die meisten Verstöße zu erwarten sind, setzt das Ordnungsamt seine Mittel als effizient ein. Genau in diesen Bereich fallen die meisten Parkzeit oder Parkticketverstöße, aber auch die meisten Verstöße durch Falschparken auf Geh- und Fahrradwegen. Das zeigt, dass die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Ordnungsamtes ihrer Arbeit gewissenhaft nachgehen und keinesfalls nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeiten.

Es wird auch nicht erwähnt, ob Falschparken eine höhere Strafe nach sich zieht als die Parkzeitüberschreitung. Nimmt man die Zahlen des Zeitungsartikels als Grundlage, entsprechen Parkvergehen 57 Prozent und Falschparken 21 Prozent der „Knöllchen“. Die von der Stadtbevölkerung gemeldeten Verstöße (5600) entsprächen zwei Prozent der Gesamtzahl beziehungsweise 15 privat gemeldeten Verstößen täglich. Das entspricht einer Steigerung von 150 auf 165 Verstößen pro Tag. Weil das Ordnungsamt den Verkehrsraum nicht lückenlos überwachen kann, wäre es interessant zu erfahren, wie sich die zusätzlich gemeldeten Falschparker über die Stadt verteilen. Dann könnten die Kontrollen anpasst und wirklich mehr Sicherheit erreicht werden.

Gänzlich wird außer Acht gelassen, dass ein Ticket- oder Zeitverstoß schon allein deshalb recht häufig vorkommt, weil die Anzahl an Personen, die ihren Pkw korrekt geparkt haben, ein Knöllchen oder die Zeitüberschreitung in Kauf nehmen, sicherlich größer ist als die der Falschparker.

Der Artikel arbeitet vielfach mit Zahlen, die auch anders interpretiert werden können und nicht fertig ausgewertet sind. Es ist auffallend, dass die eigentliche Grundlage für den Zeitungsbericht nicht die Datenlage, sondern eine Pressemitteilung des ADFC ist.

Rainer Grablowitz äußert sich ebenfalls zur Studie:

Marvin Krings beklagt zu Recht die mangelnde Ahndung von Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr, insbesonders das Parken in der zweiten Reihe, was meistens zu Verkehrstörungen führt.

Leider hat Herr Krings vergessen, eine Gruppe von Verkehrsteilnehmern zu erwähnen, nämlich die Radfahrer. Ein Großteil dieser Gruppe scheint zum Beispiel farbenblind zu sein, sonst würden sie nicht so häufig bei Rot die Straßen überqueren. Auch viele Straßenschilder scheinen ihnen unbekannt zu sein, da sie Gehwege mit Radfahrwegen verwechseln und auf der Straße fahren, obwohl daneben ein Fahrradweg existiert. Die Ahndung dieser Ordnungswidrigkeiten ist leider nicht möglich, da die Räder keine Kennzeichnung haben. Bei der Zunahme von Radfahrern wäre eine Kennzeichnungspflicht angebracht, um zum Beispiel bei Personenschäden eine Ermittlung zu ermöglichen.

Rainer M. Hofmann schreibt folgendes zur ADFC-Studie:

Der ADFC Aachen sorgt sich insbesondere um die Sicherheit der Fußgänger. Das ist lobenswert. Bisher war der Verein eher als Interessenvertretung der Kampfradler aufgefallen. Nur muss ich fragen, wieso er sich um Autofahrer kümmert und nicht um die Gefährdung der Fußgänger durch die eigenen Mitglieder?

Als Anwohner des Boxgraben, der beidseits über Schutzstreifen verfügt, passiert es mir alle paar Wochen, dass ich mich vorsehen muss, nicht angefahren zu werden, wenn ich aus meinem Haus heraustrete und einer dieser Kampfradler mit hoher Geschwindigkeit über den Bürgersteig rast. So geschehen erst letzte Woche.

Marcel Pelzer schreibt ebenfalls zur ADFC-Studie:

Ich gebe dem ADFC in einer Sache recht: „Wer gegen die Regeln verstößt, muss auch bestraft werden.“ Parke ich als Autofahrer verbotswidrig, muss ich mit der Knolle leben.

Der Bürger und die Stadt Aachen sollten allerdings folgendes bedenken: Wird die Stadt autofrei oder jedes Fahrzeug parkt ab morgen ordnungsgemäß, gäbe es diese 260.000 Knöllchen nicht und dem Haushalt der Stadt Aachen fehlt ein mehrstelliger Millionenbetrag! Für die Stadt finanziell gar nicht zu verkraften.

Da die Umsetzung des Radentscheids aber genau darauf aufbaut, das Fahrrad dem motorisierten Verkehr vorzuziehen, folgender Vorschlag: die geplanten Fahrradstaffeln kümmern sich primär um die Verstöße und Ordnungswidrigkeiten der Radfahrer. Deren Verkehrsverstöße wie Rotlicht missachtet, Radweg nicht oder in falscher Richtung befahren, Fahren auf Fußgängerweg oder Fußgängerzone, Gefährdung von Fußgängern, keine Beleuchtung und so weiter sollten konsequent verfolgt und mit „Knöllchen“ bestraft werden. Radfahrer sollten dafür ebenso eine Kennzeichenpflicht erhalten, auch damit sie gegenüber Pkw, Lkw, Bussen, Motorrädern, Mofas, Polizisten und Drohnen endlich gleichgestellt würden. Denn dann könnten, wie im Titel, „brenzlige Situationen“, die durch Radfahrer verursacht werden, auch öfters geahndet werden.

Und zu der Forderung des ADFC, schwächere Verkehrsteilnehmer besser zu schützen, empfehle ich noch die allgemeine Helmpflicht für Radfahrer.

Mit dem Radschnellweg beschäftigt sich Barbara Hillebrand:

Offensichtlich ist man hinsichtlich der Trassenführung des so hochgelobten Radschnellwegs von Aachen nach Heerlen nun auch in Richterich mal endlich aufgewacht. Während in Herzogenrath eine seit Jahren diesbezüglich agierende Bürgerinitiative – hier soll die Trasse nämlich durch das schöne Wurmtal erfolgen, was natürlich gravierende Einschnitte und grobe Zerstörung eines Naturrefugiums darstellt und somit absolut dem Argument der Klimaverbesserung entgegensteht – eher als Mobilitätsverhinderer angesehen wird, hat man in Richterich offensichtlich erst jetzt so wirklich begriffen, dass die bisher so favorisierte Streckenführung ziemliche Probleme birgt.

In Richterich erhitzen sich nun die Gemüter, und man darf wirklich gespannt sein, wann sich die Bürger in Kohlscheid, wo die bisherige Trassenführung auch zu recht abenteuerlichen Natureinschnitten und auch dem definitiven Wegfall von zahlreichen Anwohnerparkplätzen führen wird, sich endlich aufstellen? Und vielleicht findet auf diesem Wege dann endlich der Alternativvorschlag der Herzogenrather Bürgerinitiative, die Trasse mit dem schon vorhandenen Radweg auf der niederländischen Seite über die Niewstraat zu verbinden, endlich seriöse Beachtung. Es kann nämlich nicht angehen, dass man sich in Aachen stets europäisch gibt, aber nicht einmal in der Lage ist, sich im Kleinen dieser Thematik zu stellen und den Schutz beziehungsweise die Bewahrung des Wurmtals mit all seiner Natur und Artenvielfalt zu gewährleisten.

Was nutzen alle neuen Radwege, wenn deren Trassen solch massive Zerstörung der vorhandenen Natur bedeuten?

Ursula Alt schreibt zur Vennbahntrasse:

Ich benutze die Vennbahn seit Jahren regelmäßig und finde eine Verbreiterung auf Kosten klimarelevanter Bäume unverantwortlich. Die Vennbahn ist breit genug wenn alle hintereinander fahren und bereit sind vor dem Überholen von Spaziergängern oder Kindern abzubremsen wenn Gegenverkehr besteht.

Es gibt etliche Rücksichtslose Zeitgenossen die zu zweit nebeneinander fahren und trotz entgegenkommender Radler überholen und diese zum Abremsen zwingen. Eine durchgezogene Linie auf der Vennbahn mit Richtungspfeilen wäre preiswerter und bei Unfällen Versicherungsrechtlich einfacher. Wird die Vennbahn verbreitert, dann fahren die Rücksichtslosen eben zu viert nebeneinander und es ändert sich nichts an der Situation.

Martin Mersmann äußert sich zur Verkehrspolitik wie folgt:

Wie in der gesamten Bundesrepulik gibt es auch auf Aachens öffentlichen Plätzen und Straßen weder „Radler" noch gar „radelnde Studenten", sondern ausschließlich Verkehrsteilnehmer, die wie jeder andere schnell, bequem und sicher von A nach B wollen und deren Rechte und Pflichten in der Straßenverkehrsordnung (StVO) geregelt sind.

Dort beschrieben und immer wieder gerichtlich bestätigt, sind Straßen tatsächlich nicht nur für Autos da, sondern für alle, prinzipiell gleichberechtigte Verkehrsträger. Sonderregelungen wie benutzungspflichtige Radwege, Autobahnen, Fußgängerzonen et cetera sind nach StVO explizite Ausnahmen. Jeder Führerscheininhaber weiß das qua Bescheinigung, ebenso unter welchen Umständen er in geschlossenen Ortschaften überhaupt nur hupen darf.

Natürlich halten sich genauso wenige daran, wie Radfahrer sich an alle Regeln halten, und natürlich wird eine Stadt ohne Verkehrskonzept wie Aachen hart lernen müssen, dass zunehmender Radverkehr Verkehrsprobleme nicht löst sondern verlagert, aber das sind andere Probleme, die StVO jedenfalls kennt „Radler" ebensowenig wie „Sonntagsfahrer".

Wilhelm Brand schreibt ebenfalls zur Aachener Verkehrspolitik:

Ich weiß nicht was in den Köpfen der Entscheidungsträger bei der Aachener Stadtverwaltung vorgeht. Sämtliche Maßnahmen im Öffentlichen Verkehrsraum werden offensichtlich mit Freude und Enthusiasmus angegangen, wenn es darum geht, die Auto fahrende Mehrheit zu schikanieren.

Hier nur ein paar kleine Beispiele: Da werden zum Beispiel am Ortsausgang Richterich vor dem dortigen „Möchte-Gern-Kreisverkehr“ aus vier Richtungen Aufpflasterungen angebracht, obwohl die Kreuzung bezüglich des Unfallgeschehens völlig unauffällig ist, und außerdem die dort einmündenden Straßen aufgrund der baulichen Gegebenheiten gar keine hohen Geschwindigkeiten zulassen. Nur die Aufpflasterung aus Richtung Horbach über Land kommend mag da noch einigermaßen sinnvoll erscheinen.

Da hat man auf der Landstraße L231 zwischen Richterich und Horbach ein Teilstück des parallel verlaufenden maroden Radweges erneuert (gut so), nutzt aber gleichzeitig die Gelegenheit mitten auf der Chaussée zwischen den Ortsteilen einen Parkplatz in die Fahrbahn hineinzuverlegen und mit einer Bake „abzusichern“ – welch eine gefährliche Schikane unweit des Ortseingangsschildes.

Da stellt man in Laurensberg auf der Schurzelter Straße im vorderen ohnehin schmalen Bereich Betonklötze hin. Diese schmale Straße lässt ebenso gar keine hohen Geschwindigkeiten zu und außerdem gilt dort an allen Einmündungen Rechts vor Links. Die Autofahrer können dort jetzt Slalom üben und die Busfahrer freuen sich sicher ganz besonders. Über die Kosten allein dieser kleineren Maßnahmen möchte ich gar nicht nachdenken.

In der Ludwigsallee und in der Saarstraße plant man die Parkplätze wegfallen zu lassen, obwohl beide Straßen von Mehrfamilienhäusern gesäumt sind und der Parkdruck dort ohnehin schon hoch ist und, und, und...

Ist das alles im Sinne der Mehrheit der Bürger? Ich denke Nein. Wenn ich dann noch an all die anderen (großen) angedachten Veränderungen denke, fällt mir nur eins ein: Armes Aachen. Ich bin übrigens auch Verkehrsteilnehmer in Aachen und zwar als Fußgänger, Radfahrer aber auch als Autofahrer. Das Augenmaß ist vollkommen verlorengegangen.