Heinsberg/Gangelt: Kelten und Römer hinterlassen Spuren unter Heinsbergs Boden

Heinsberg/Gangelt: Kelten und Römer hinterlassen Spuren unter Heinsbergs Boden

Einen römischen Gutshof, eine sogenannte villa rustica, aus dem 1. bis 2. Jahrhundert nach Christi Geburt, Siedlungsreste und zwei Brunnen aus der Eisenzeit und einen Graben aus dem Mittelalter haben der Archäologen Stefan Graßkamp und sein Team bei Pütt ausgegraben.

Die archäologische Grabung hatte der Landesbetrieb Straßen NRW im Zuge der Bauvorbereitungen für die B56n in Auftrag gegeben. Das Archäologen-Team der Duisburger Firma archaeologie.de wird eine Dokumentation der Grabungsfunde für das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege erstellen.

Schon 2008 hatten eine Feldbegehung über frisch gepflügten Acker und Suchschnitte mit einem kleinen Bagger Konzentrationen von Keramikscherben ergeben, die auf frühe Besiedlung schließen ließen. Vor einigen Wochen waren Stefan Graßkamp und seine Mitarbeiter mit einem großen Bagger angerückt und hatten ihren neuen Arbeitsplatz eingerichtet. Die für die Grabung ausgewiesene Fläche ist weit größer als der normale Trassenverlauf, da auf dem Feld zwischen Waldenrath, Birgden und Scherpenseel eine Anschlussstelle der K 3 geplant ist.

„Niegelsmaar” heißt die Feldflur, auf der unter anderem zwei Brunnen gefunden wurden, die die Kelten in der frühen Eisenzeit um 500 vor Christi Geburt in den feuchten Boden gegraben hatten. Gleich neben der feuchten „Niegelsmaar”, nur getrennt durch einen Feldweg, liegt die Flur „An der Niegelsmaar”. Dort hatten die Römer vor knapp 2000 Jahren ihre villa rustica mit Scheunen, Stallungen, Werkstätten und einem Hauptgebäude gebaut.

Etwa 70 Zentimeter unter der Erdoberfläche entdeckte das Archäologenteam die Spuren der Wirtschaftsgebäude, die die Römer in Holzbauweise mit Flechtwerkwänden errichtet hatten. Ein Pfostenloch wurde freigegraben, in dem ein Pfosten mit einem Durchmesser von circa 60 Zentimetern 1,30 Meter eingetieft war. Die Größe und Tragkraft des Pfostens lässt auf eine zweigeschossige Scheune schließen. Grabungsleiter Stefan Graßkamp: „Das Hauptgebäude lag in Richtung Süden, aber sicherlich noch auf der Anhöhe.”

Die Fläche auf dem das Hauptgebäude stand, ist nicht von den Ausgrabungen betroffen, da es außerhalb des geplanten Straßenbereichs liegt. „Lohnen würde es sich schon, auch das Hauptgebäude auszugraben”, so Graßkamp, „doch solange die Denkmale im Boden sind, sind sie gut geschützt und solange sie dort nicht bedroht sind, bleiben sie auch dort.”

18.000 Quadratmeter haben die Archäologen unter die Lupe genommen. Die Baggerschaufel hatte den Boden vorsichtig bis in die gewünschte Tiefe abgetragen und elf Grabungsfelder angelegt. Die ebene Fläche spricht für das geschulte Auge des Archäologen Bände. Am nachträglich eingefüllten Humus lässt sich eine Grube erkennen, in der Pfosten als Träger eines Gebäudes steckten. Mehrere Gruben ergeben den Grundriss eines Gebäudes. Vorgefundene Holzkohlereste in der Grube deuten darauf hin, dass das Gebäude abgebrannt ist. Nach und nach entsteht so ein „Bild” von dem, was vor 2000 Jahren bei Pütt existierte.

Etwas abseits des Gutshofs stießen die Archäologen auf eine schwarze Bodenverfärbung. Leichenbrand fand sich dort. Es handelte sich bei diesem Fund um ein Brandgrab. 15 dieser Brandgräber, Gruben über denen der Leichnam platziert und verbrannt wurde, wurden gefunden. „Grabbeigaben sind nicht mehr vorhanden”, stellt Stefan Graßkamp fest. Die Stellen wurden, wie alle anderen Fundstellen, kartografiert, fotografiert und zeichnerisch erfasst. Die Arbeiten an der Fundstelle sind so gut wie abgeschlossen, wesentliche Teile der Grabungen schon wieder mit Boden bedeckt.

Die B56n kann kommen. Was von der Arbeit der Archäologen bleibt, ist eine Dokumentation für die Nachwelt und die Gewissheit, dass das Rheinland auch lange vor Heinsbergern und Gangeltern schon Menschen wegen des fruchtbaren Bodens zum Siedeln bewegte.

Den durchaus auch touristisch verwertbaren Anspruch zu behaupten, „bei uns siedelten schon die Kelten und Römer, so schön is dat bei uns” müssen sich Gangelter und Heinsberger teilen. „Niegelsmaar”, wo die Brunnen der Kelten gefunden wurden, liegt auf Heinsberger Stadtgebiet. „An der Niegelsmaar” mit der villa rustica der Römer gehört zum Gemeindegebiet Gangelt.