Eschweiler: Kegeln: Mit 22 Jahren die Jüngste — und die Beste

Eschweiler : Kegeln: Mit 22 Jahren die Jüngste — und die Beste

Wenn Katharina Schmitz 45 Jahre alt sein wird, dann könnte ihre Hüfte schief stehen — der jahrelange Sport, die einseitige Belastung. Wenn sie spielt, konzentriert sich ihre Bewegung auf den rechten Arm und den linken Oberschenkel: Die 22-Jährige kegelt — in der ersten Bundesliga für die SG 63 Aachen-Knickertsberg.

Sie ist das „Spitzenpferd“, wie ihre Teamkollegin Sandra Liebig sagt, und jemand, der die ganze Mannschaft aufgelockert habe. Denn mit 35 ist Liebig — abgesehen von Schmitz — noch eine der Jüngeren. Für Keglerinnen ist auch 50 noch kein Alter. Kurz gesagt: Schmitz ist die Jüngste — und die Beste.

Kein Alibi

Katharina Schmitz hat schon die Kugeln geworfen, da war sie kaum größer als die neun Kegel, auf die sie gezielt hat. Die Eltern haben sie immer mit auf die Bahnen zum Betriebssport genommen. Mit zehn kam erstmals der Schritt vom Kegeln zum Sportkegeln nach Hürth. Ja, Sportkegeln, darauf legen die Spieler Wert. „Wenn ich erzähle, dass ich kegle, dann kommt immer: ,Ach so, einmal die Woche, und dann trinken‘“, sagt sie, und wegen dieser negativen Außenwirkung spricht sie von Sportkegeln.

„Das ist kein Alibi. Und außerdem zählt Alkohol bei uns, wie bei jeder anderen Sportart auch, als Doping. Wir könnten theoretisch bei jedem Training kontrolliert werden.“ Es sei nur Brauch, der Gastmannschaft eine Runde auszugeben. Nach der Partie.

Mit 13 ist Schmitz wieder vom Sport- zum Hobbykegeln gewechselt und hat zudem Fußball gespielt, fünf Jahre in ihrer Heimat Kerpen, bis sie 18 war. Es sei anstrengend gewesen. Nicht körperlich, sondern in der Gemeinschaft. „Eine wollte schöner sein als die andere“, sagt sie lachend. „Beim Kegeln war das danach anders, weil ich unter Älteren war. Da herrscht ein anderer Umgang, das bringt sozial viel mehr, als wenn man ständig mit Gleichaltrigen zu tun hat.“

Vor vier Jahren ist Katharina Schmitz zur SG (damals noch Zweitligist) gewechselt, nachdem sie nach der Rückkehr zum Sportkegeln mit 17 „in der Szene eingeschlagen ist wie eine Bombe“, wie sie sagt. Die SG-Heimbahn ist in Eschweiler — es sei Luxus, nur 40 Kilometer fahren zu müssen, um Bundesliga zu spielen.

Sie kannte die Bahn und das Umfeld, weil ihre Eltern vom Betriebssport aus dort gekegelt haben. Schmitz kam vom FKCRW Köln aus der dritten Liga. „Ich habe eine neue Herausforderung gesucht“, sagt sie, „weil ich die beste Spielerin der Liga war.“

Selbst wenn es sich so anhört: Schmitz ist nicht arrogant. Sie sagt nur die Wahrheit, weil beim Kegeln jede Statistik festgehalten wird, und beim Kegeln zählt nichts anderes als die Statistik: Zwei Teams spielen um drei Punkte; zwei gibt es für die Holzzahl (die Summe der geworfenen Kegel), und einen Punkt erhält die Mannschaft mit der besten Einzelleistung. „Bis auf zwei Spiele habe ich in der dritten Liga immer die volle Punktzahl bekommen, also acht, weil es acht Spielerinnen gab“, sagt Schmitz, die in dieser Saison im Schnitt 872,60 von 1080 möglichen Punkten erzielt.

Auf der Eschweiler Kegelbahn hält sie mit 916 den Bahnrekord. Zum Vergleich: Der Rekord ihres Freundes, der Sportkegler in Köln ist, liegt bei 918. „Bei Frauen erwartet man so eine Leistung nicht, weil wir weniger Kraft haben“, sagt Schmitz.

In der Liga-Einzelwertung dieser Saison liegt Schmitz auf Platz fünf mit durchschnittlichen 9,80 Einzelwertungspunkten (EWP); da in der Bundesliga sechs gegen sechs gespielt wird, sind zwölf EWP das Maximum.

Die SG 63 Aachen-Knickertsberg steht in der Tabelle auf Platz 6 von 8, keine Top-Platzierung, aber Schmitz ist zufrieden, sagt sie: „Es läuft besser als die Jahre zuvor, wir spielen zu Hause besser, und wir haben den Vizemeister Dilsburg geschlagen.“ Schmitz' Ausbeute: 889 Holz, zwölf EWP — die beste Dilsburgerin kam auf 867 Holz.

Deutsche Meisterin im Paar

Schmitz' Teamkollegin Sandra Liebig, die Tochter der Bahnbetreiber in Eschweiler, kommt auf einen Saisonschnitt von 822,60 Holz. „Wenn Katharina meine Leistung zeigen würde, würde ich sagen: Ihr geht's nicht gut. Ich gönne ihr das, dann muss ich nämlich weniger punkten“, sagt Liebig spaßig, die im Juni einen großen Erfolg zusammen mit Schmitz gefeiert hat: Beide wurden in Oberthal Deutsche Meisterinnen im Tandem.

„Da war ich echt mal gleichwertig, aber im Paar ist es auch so, dass der eine nicht viel ausrichten kann, wenn der andere schwächelt. Ich muss die Neunen abräumen“, sagt Liebig, die den Titel vor 20 Jahren schon einmal geholt hat, und die sich wünscht, diese Saison „nicht wieder den Nervenkitzel“ in der Relegation gegen den Abstieg erleben zu müssen.

Der Tandem-Titel mit Liebig sei für sie bislang der größte Erfolg, sagt Katharina Schmitz, auch weil sie bislang zwei Mal Vize im Einzel wurde. Vize wurde sie auch bei der Weltmeisterschaft im August in Eupen — zusammen mit ihrem Freund im Mixed in der Klasse U 24. Anders als bei der DM, wo 20 Teams antreten, spielen dort aber nur neun Mannschaften (aus sechs Nationen), daher zählt der nationale Vergleich mehr für sie.

Die Vize-Titel, so sagt Schmitz es, würden ihre wohl einzige Schwäche offenlegen: „Der letzte Lauf ist oft die Krux, da schlage ich mich im Kopf manchmal selbst. Wenn ich gegen Spielerinnen mit Rang und Namen spiele, mache ich mir zu viel Druck.“ Es komme ihr manchmal so vor wie beim Kölner Fußball-Profi Jonas Hector, der fast wie aus dem Nichts zum deutschen Nationalspieler aufgestiegen ist.

Wie mit dem Doping ist es beim Sportkegeln auch mit der Nervosität sicher nicht anders als beim Fußball: Sie legt sich mit dem Alter. Und wegen der schiefen Hüfte: Schmitz geht mindestens zwei Mal die Woche zum Ausgleich laufen.