Heinsberg: Katzen als Rheumadecken: Bloß ein Gräuelmärchen?

Heinsberg: Katzen als Rheumadecken: Bloß ein Gräuelmärchen?

Hübsch ist sie, mit ihrem schwarz-weißen Fell und dem stolzen Blick. Und für ihr Frauchen ist sie etwas ganz Besonderes. Dass sie ihr den Namen einer Hollywood-Ikone vergangener Zeiten gab, kam schließlich nicht von ungefähr.

Als Samtpfote Grace nun plötzlich von der Bildfläche verschwand, war die Aufregung verständlicherweise groß. „Sie ist darauf trainiert, dass sie kommt, wenn ich pfeife”, erzählt Carina Derichs aus Heinsberg. Doch an diesem Abend verhallten ihre Pfiffe, ohne dass es von der kleinen Grace auch nur eine Spur gegeben hätte. „In der ersten Nacht habe ich mir noch nichts dabei gedacht, weil es ja so eine schöne Sommernacht war. In der zweiten wurde ich schon ungeduldig - und dann kam die Panik.”

In den letzten Wochen, so hatte Carina Derichs gehört, seien in der Heinsberger Innenstadt, Karken, Kirchhoven, Kempen und Lieck wieder „sehr viele Katzen verschwunden”. Von vier Tieren wusste die in der Nähe des Lago Laprello wohnende Katzenliebhaberin durch Suchplakate, die sie entdeckt hatte, von acht weiteren Fällen durch Gespräche und Suchanzeigen in der Zeitung. „Daher stellte sich mir die Frage, ob wieder Tierfänger unterwegs sind.”

Für Carina Derichs eine furchtbare Vorstellung. Mit unbändiger Energie versuchte sie nun, ihren kleinen Liebling wieder zu finden. Sie schrieb an die Polizei, an den Bauhof, setzte sich mit dem Tierheim in Verbindung, informierte die Suchorganisation Tasso, und selbst an RTL schickte sie ein Schreiben. „Ich habe die komplette Stadt plakatiert”, sagt sie. Ach ja, auch bei Firmen habe sie angerufen.

Eine Anzeige erstattete sie allerdings nicht: „Weil ich ja nicht weiß, ob sie gestohlen wurde.” Dennoch hegt Carina Derichs den Verdacht, dass es so gewesen sein könnte. Denn ihre Katze, war zwischenzeitlich offenbar in Wassenberg gesehen worden. So hatte es jedenfalls eine Augenzeugin berichtet. „Ich vermute, dass die Katze am Wassenberger Freibad, in Grenznähe ausgesetzt worden ist, weil entdeckt wurde, dass sie einen Chip trägt und deshalb für die Verwendung in einem niederländischen Versuchslabor nicht mehr geeignet war.”

Das Ende der Geschichte kann an dieser Stelle vorweggenommen werden. Die Mieze hat den Weg nach Hause unbeschadet und selbstständig gefunden. Die Frage, die offen bleibt: Sind in der Tat immer wieder professionelle Tierfänger in der Region am Werk?

„Die Gerüchte aus den 70er Jahren, dass die Tiere von der Straße weggefangen und verkauft werden, sind nicht mehr haltbar - zumindest nicht in Deutschland”, sagt Sina Braun, die Leiterin des Tierheimes für den Kreis Heinsberg in Kirchhoven. „Weil in den Labors selbst gezüchtet wird.” Der Grund hierfür liege an der Krankheits- oder Keimbehaftung der normalen Freigänger. Das mache sie für einen Laborversuch ungeeignet. Braun glaubt nicht, dass die Standards in anderen europäischen Ländern - wie zum Beispiel den Niederlanden - da andere sind.

Und was ist, wenn in Rumänien Rheumadecken aus den Tierhaaren gemacht werden? Auch dieses Gerücht halte sich hartnäckig. Belege für derlei Mutmaßungen gebe es nicht. „Wie sollte jemand im großen Stil die Katzen auch einfangen, ohne dass es jeder mitbekommt?”, schüttelt die Tierheimleiterin den Kopf.

Entsprechende Anzeigen liegen bei der Polizei jedenfalls nicht vor, wie eine Nachfrage unserer Zeitung ergab. Vor allem in den Sommermonaten schössen derlei Geschichten jedes Jahr erneut ins Kraut, sagt Sina Braun. Eines räumt sie jedoch ein: „Vielleicht liegt es ja daran, dass gerade in dieser Zeit besonders viele Katzen gestohlen werden.”