1. Karlo Clever

Worauf wartest du noch, Geier?

Worauf wartest du noch, Geier?

Du kennst sie vielleicht aus Abenteuerfilmen oder aus einem Western — wenn der Cowboy tagelang durch die Prärie reitet und zu verdursten droht: Geier. Sie kreisen hoch am Himmel und warten auf Beute.

Geier gibt es aber nicht nur in Filmen. Auch in Deutschland kommen sie vor, allerdings sind sie hier selten. Das war bis vor etwa 400 Jahren noch anders. In den bayerischen Alpen und in den südwestdeutschen Mittelgebirgen zum Beispiel fühlten sie sich wohl. Doch sie wurden unter anderem gejagt und ausgerottet.

Mehrere Hundert Kilometer

In Europa findet man heutzutage besonders viele Geier zum Beispiel in dem Land Spanien. Und auf dem Balkan, im Südosten von Europa. Wenn Geier noch jung sind, machen sie gerne Ausflüge und fliegen umher. Dabei können sie locker mehrere Hundert Kilometer am Tag zurücklegen. So landen sie dann auch immer wieder in Deutschland.

Und zwar alle vier europäische Geierarten: Das sind Gänsegeier, Mönchsgeier, Bartgeier und Schmutzgeier. Regelmäßig kann man Gänsegeier und Mönchsgeier sehen, am häufigsten in den bayerischen Alpen, sagt der Experte Dieter Haas.

Bei ihren Ausflügen finden die Geier nicht genügend Nahrung. Das hat unter anderem mit dem Gesetz zu tun: Normalerweise ernähren sie sich von Aas, also von toten Tieren, von deren Fleisch und Knochen. Aber in Deutschland müssen tote Tiere schnell weggeräumt werden, damit sich keine Krankheiten ausbreiten. Wenn die Geier schneller sind, nehmen sie die toten Tiere und halten damit die Umwelt rein — wie eine Art Umweltpolizei.

Das klappt nicht immer. Und auf ihrer Nahrungssuche gibt es noch ein Problem: Hat ein Jäger ein Tier erlegt, zum Beispiel ein Reh oder einen Hirsch, dann darf er Teile vom Fleisch oder die Innereien auslegen. Quasi als Futter für andere Tiere, wie zum Beispiel den Geier.

Aber an manchen Orten verwenden Jäger Geschosse aus Blei. Die zersplittern im Tier und die Splitter stecken oft tief im Fleisch, wenn die Geier es fressen. Blei ist aber giftig und tödlich für die Geier, wenn sie es fressen.

Deshalb kommt es immer wieder vor, dass kranke oder ausgehungerte Geier entdeckt werden. Sie werden dann von Menschen aufgepäppelt und später wieder in die Freiheit entlassen.

(dpa)