1. Karlo Clever

Entlarven als Beruf: Woran man einen Lügner erkennt

Entlarven als Beruf : Woran man einen Lügner erkennt

Ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht, ist nicht so leicht herauszufinden. Manche Menschen entlarven in ihrem Beruf Lügner. Dazu beobachten sie sehr gut und nutzen kleine Tricks.

Wenn Pinocchio lügt, sieht das sofort jeder. Er ist die Hauptfigur in einer alten Kindergeschichte. Pinocchio kann keine Lüge geheimhalten. Bei jeder Lüge wird seine Nase ein Stück länger. Echte Lügner zu entlarven, ist viel schwieriger. Wie ein Detektiv muss man bestimmten Hinweisen nachgehen.

Der Psychologie-Professor Frank Schwab zum Beispiel versucht, Lügner anhand ihrer Gesichtsausdrücke zu entlarven. Denn kleine Bewegungen im Gesicht zeigen, was jemand fühlt. Bei Freude wandern die Mundwinkel nach oben: Wir lächeln. Bei Angst reißen wir die Augen auf und unser Hals spannt sich an. Solche Bewegungen passieren oft ganz automatisch. Man kann sie nur schwer beeinflussen.

Deswegen zeigen Lügner, während sie eine erfundene Geschichte erzählen, ihre echten Gefühle. Herr Schwab erklärt: „Lügen können unterschiedliche Gefühle hervorrufen. Ich kann mich freuen, dass ich gerade so schön gelogen habe. Oder ich kann mich auch fürchten, dass meine Lüge auffliegt. Manchmal passt mein Gesichtsausdruck dann nicht zu dem, was ich gesagt habe.“ Zum Beispiel, wenn jemand lächelt, während er eine traurige Geschichte erzählt. So etwas könnte ein Hinweis sein, dass gelogen wird.

Gesichtsausdrücke und Körperhaltung seien auch für die Polizei Hinweise, um Lügner zu entlarven, sagt der Polizist Sebastian Brandt. Hauptsächlich versuchen Polizisten aber, mit geschickt formulierten Fragen die Wahrheit ans Licht zu bringen. Sie achten dann darauf, ob die Antworten logisch klingen.

Genau nachfragen und noch mal nachhaken, das tun auch Richter. Sie müssen am Gericht entscheiden, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht. Sie sind also Lügen-Experten. Der Richter Stefan Caspari achtet dabei auf die Geschichten der Angeklagten. „Wir Richter versuchen durch Fragen herauszufinden, ob jemand lügt“, sagt er. Ein Trick: Mehrmals fragen, was passiert ist.

Lügner würden ihre Geschichten oft auswendig lernen und deshalb immer dieselben Wörter verwenden, erklärt der Richter. Wer jedoch eine wahre Geschichte erzählt, benutze dafür jedes Mal etwas andere Wörter. „Bei jeder Schilderung werden andere Dinge betont. Das ist ein Zeichen dafür, dass jemand es auch wirklich erlebt hat“, sagt Herr Caspari.

Außerdem lässt der Richter Geschichten in einer anderen Reihenfolge erzählen. Er fragt also nicht: Was ist morgens passiert, und was mittags und was am Abend? Er bittet die Leute stattdessen, zuerst zu erzählen, was sie am Abend gemacht haben. Und erst dann fragt er nach dem Vormittag. Herr Caspari erklärt: „Das Hin- und Herspringen fällt vielen Leuten schwer, wenn sie etwas gar nicht selbst erlebt haben.“

(dpa)