1. Karlo Clever

Vom Aussterben bedroht: Wo sind nur die Edwardsfasane?

Vom Aussterben bedroht : Wo sind nur die Edwardsfasane?

Schon lange hat niemand mehr die Vögel in ihrer natürlichen Umgebung gesehen. Ob sie ausgestorben sind, wissen Forscher nicht. Aber es gibt noch welche im Gelsenkirchener Zoo.

Wo haben sich die Edwardsfasane versteckt? Vielleicht in ihrer Lieblingsecke? Fehlanzeige. Biologe Heiko Janatzek läuft suchend durch die Tropenhalle im Gelsenkirchener Zoo. „Manchmal sind die Edwardsfasane schwer zu finden“, sagt er. Aber jetzt hat er sie doch entdeckt.

Die vier Edwardsfasane laufen durch ein Gebüsch am Rande der Halle. Zwischen den grünen Blättern kann man die Fasanen-Männer mit ihren blau glänzenden Federn, der roten Augenpartie und den kurzen weißen Kopffedern sehen.

Edwardsfasane sind vom Aussterben bedroht. „Vielleicht leben in der freien Wildbahn sogar überhaupt keine Edwardsfasane mehr“, sagt Heiko Janatzek. Das letzte Tier ist vor mehr als 20 Jahren in Vietnam gesehen worden. Das Land liegt in Südostasien. Benannt sind sie nach einem französischen Wissenschaftler namens Alphonse Milne-Edwards.

Forscher haben sogar Kamera-Fallen aufgestellt, um die Edwardsfasane zu finden. Auf den Fotos waren hinterher Rinder, Hunde und Menschen zu sehen, aber kein Edwardsfasan. „Sie sind recht still, deswegen kann man sie auch – anders als andere Vögel – schlecht durch ihre Rufe entdecken“, sagt der Experte. Trotzdem kann niemand sicher sagen, ob sich vielleicht doch irgendwo in den Wäldern von Vietnam noch ein paar Edwards-
fasane verstecken. Die Hähne werden bis zu 65 Zentimeter lang. „Sie sind so klein und unscheinbar, manchmal finden wir sie ja nicht mal in der Tropenhalle“, sagt Heiko Janatzek.

Viele gute Verstecke gibt es in Vietnam für die Edwardsfasane nicht. Vor etwa 60 Jahren gab es dort einen Krieg. Damals flogen Soldaten mit Flugzeugen über die Wälder Vietnams und versprühten ein Gift. Sie wollten damit den dichten Dschungel entlauben, in dem sich Kämpfer versteckt hatten.

Die Bäume verloren ihre Blätter und die Edwardsfasane ihren Lebensraum. „Die Fasane hatten keinen Platz mehr zum Brüten und konnten sich auch zum Schlafen nicht mehr in den Bäumen verstecken“, sagt der Experte. Sie wurden zur leichten Beute für größere Greifvögel. Obwohl der Krieg nun schon so lange her ist, hat sich die Natur immer noch nicht richtig erholt. Zudem wurde viel Wald, in dem die Vögel einst lebten, abgeholzt. Umso wichtiger sei es, dass es in Zoos noch einige Edwardsfasane gebe, sagt der Experte. Weltweit leben ungefähr 1000 dieser Tiere in Zoos oder bei Privatpersonen. In Gelsenkirchen sind im Mai sogar zwei junge Hähne geschlüpft.

(dpa)