1. Karlo Clever

Pomerode: Wieso ist Pomerode in Brasilien?

Pomerode : Wieso ist Pomerode in Brasilien?

Der Eingang ist eher unscheinbar. „Bem-vindo“ steht auf einem Schild. Das ist Portugiesisch und bedeutet „Herzlich Willkommen“. Drinnen im Zoo machen die Affen viel Lärm. Die Löwen liegen träge in der Sonne, die Nilpferde bleiben bei der Hitze unter Wasser.

Der Zoo hat eine besondere Geschichte. Er wurde vor langer Zeit von einem Mann aus Deutschland gegründet. Überhaupt erinnern in diesem Ort in Brasilien viele Dinge an Deutschland. In Pomerode stehen zum Beispiel Fachwerkhäuser — wie bei uns in der Eifel oder im Schwarzwald. Ein Restaurant heißt Schröder. Das ist ein typisch deutscher Name. Es gibt Eisbein zu essen, und die Menschen lieben hier Streuselkuchen — auch typisch deutsch.

Blumenau gibt es auch

Das hat einen Grund: Nach Pomerode sind vor über 150 Jahren viele Deutsche ausgewandert. Auch der Zoo-Gründer Hermann Weege. 1932 gründete er in Pomerode den Zoo, um etwas für den Erhalt von Tierarten zu tun.

Rund 30 Kilometer entfernt liegt die Stadt Blumenau. Auch sie ist deutsch geprägt. Dort wird sogar ein großes Oktoberfest gefeiert — wie in München.

Aber warum wanderten Deutsche nach Brasilien aus? Vor langer Zeit gab es in Deutschland immer wieder Hungerkrisen. Im fernen Brasilien erhofften sich manche Deutsche ein besseres Leben und eine bessere Zukunft für die Kinder. Die Erzählungen versprachen Abenteuer und Reichtum. Und eigenes Land, das man den Neuankömmlingen anbieten würde.

Der Anfang aber war schwer. Den Menschen wurde vor ihrer Abreise nicht die ganze Wahrheit gesagt, was sie erwartet. „Nie war die Rede gewesen von wilden Tieren, Krankheiten“, heißt es in einer Broschüre, die über die Geschichte der Stadt Pomerode informiert. Auch über Ureinwohner, die ihr Land gegen Eindringlinge verteidigten, hatte man den Deutschen vor ihrer Abreise nichts erzählt.

Als die Einwanderer ankamen, musste erst einmal der Urwald gerodet werden. Aus dem Holz bauten sie die ersten Hütten. Das gab der Stadt auch den Namen: Die meisten Deutschen damals kamen aus der Region Pommern. Diese liegt heute im Nordosten Deutschlands und im Nordwesten unseres Nachbarlandes Polen. Und weil sie viele Bäume roden mussten, gaben die Deutschen aus Pommern ihrer neuen Heimat den Namen Pomerode.

(dpa)