Wie Fledermäuse sich im Dunkeln zurechtfinden

Fliegende Säugetiere : Durch die Nacht flattern

Sie haben ein super Gehör, fliegen ohne Federn, jagen in der Nacht und schlafen mit dem Kopf nach unten: Fledermäuse. Die fliegenden Säugetiere faszinieren viele Menschen.

Um Fledermäuse ranken sich viele Geschichten. Die Menschen erzählten sich früher, die Tiere seien Wesen mit Zauberkräften. Sie könnten sich etwa unsichtbar machen oder durch Wände fliegen. Offenbar glaubten die Leute das, weil Fledermäuse lautlos und flink durch die Nacht flattern und so schwer zu beobachten sind. Doch Zauberkräfte haben Fledermäuse nicht. Sie sind nur sehr gut an ihre Umwelt angepasst.

Der Fledermaus-Fachmann Jörg Harder tastet sich durch die dunklen Gänge einer alten Festung. Er sucht mit seiner Taschenlampe nach Verstecken im Gemäuer. Denn er weiß, dass sie sich hier in den winzigen Löchern und Spalten verkrochen haben: Zwergfledermäuse, Fransenfledermäuse oder etwa Wasserfledermäuse.

Viele Tausend dieser Tiere verschlafen in der Festung jedes Jahr den Winter. Einzeln oder in Gruppen hängen sie meist kopfüber von der Decke bis die kalte Jahreszeit vorbei ist. Zuvor fressen sie sich aber noch reichlich Speck an. Nachts jagen unsere heimischen Fledermäuse Insekten, wie etwa Fliegen, Falter und Mücken. Und zwar jede Menge! „Würden wir Menschen so einen Appetit haben, würden wir jede Nacht 50 Pizzas verputzen“, erklärt der Experte.

Empflindliche Ohren

Aber wie erwischen die flatternden Jäger in stockfinstere Nacht ihre Beute? Um sich in der Dunkelheit zurechtzufinden, brauchen Fledermäuse ihre Augen nicht. Stattdessen vertrauen sie auf ihre empfindlichen Ohren und ihr Echolot. Das bedeutet: „Die Tiere stoßen über Nase oder Maul hohe Töne aus, die wir Menschen nicht hören können“, sagt der Experte. „Die Schallwellen dieser Töne werden von der Umgebung der Tiere zurückgeworfen und wandern zurück ins Fledermausohr.“ Auf diese Weise erkennen Fledermäuse auch kleine Mücken – ohne sie tatsächlich zu sehen!

Mit ihrem Körperbau und ihren Sinnesorganen haben sich Fledermäuse hervorragend an ihren Lebensraum angepasst. Dennoch sind die Tiere bedroht. Einerseits haben sie viele Feinde, wie etwa Katzen, Marder und Greifvögel. Zum anderen fehlen oft ausreichend Platz zum Jagen sowie der Unterschlupf für einen ungestörten Winterschlaf.

Oft zerstören wir Menschen solche Verstecke unwissentlich. Etwa, wenn wir Gebäude erneuern, abreißen oder alte Bäume fällen. Naturschützer bemühen sich, den Lebensraum zu erhalten.

(dpa)