Eine vom Aussterben bedrohte Art: Wie die Städteregion Flussperlmuscheln hilft

Eine vom Aussterben bedrohte Art : Wie die Städteregion Flussperlmuscheln hilft

Heidi Selheim stellt eine Glasschale unter ein Mikroskop. Mit bloßem Auge sieht man: In der Schale schwimmen kleine weiße Punkte herum. Beim Blick durch das Mikroskop wird klar: Die weißen Pünktchen sind Baby-Muscheln.

Mit einer kleinen Saugröhre zieht Heidi Selheim vorsichtig Schmutz aus dem Wasser, zum Beispiel Futterreste und Kot. Dabei schaut sie auch, wie viele der Muscheln noch am Leben sind. Die kleinen Tierchen sind so eine Art Schatz. Denn es sind Flussperlmuscheln!

Vor etwa 200 Jahren kam diese Muschelart noch in vielen deutschen Flüssen vor. Doch heute gilt sie als fast ausgestorben. Das hat vor allem damit zu tun, dass Flussperlmuscheln extrem sauberes Wasser brauchen. Viele Flüsse in Deutschland sind ihnen einfach zu dreckig.

In Bundesland Nordrhein-Westfalen kann man die Muschel wohl nur noch in einem einzigen Gewässer finden: dem Perlenbach. Dieser fließt durch die Eifel, nahe der Stadt Monschau. Um die Muscheln vor dem Aussterben zu bewahren, haben Heidi Selheim und ihre Kollegen vor einigen Jahren begonnen, sie zu züchten. Auch in anderen Bundesländern machen Experten das, zum Beispiel in Sachsen und Bayern. Flussperlmuscheln zu züchten, ist aber gar nicht so einfach!

Im Sommer zeugen die geschlechtsreifen Muscheln normalerweise Nachkommen. „Damit das passieren kann, müssen die Muscheln aber erst einmal etwa 15 Jahre alt werden“, verrät Heidi Selheim. Außerdem darf der Sommer nicht zu heiß sein, das Wasser darf nicht zu warm werden und die Tiere brauchen genügend Nahrung. „Ist der Sommer zu stressig, gibt es keinen Nachwuchs“, erklärt die Fachfrau.

Wenn aber doch alles klappt, werden aus den befruchteten Eiern nach einigen Wochen winzige Larven. Die fallen aus der Bruttasche der Mutter-Muschel raus. In der freien Natur müssen die Larven nun darauf warten, dass ein Fisch sie einatmet, etwa eine Bachforelle. An deren Kiemen beißen sie sich fest. Die Larven sind nämlich kleine Schmarotzer und versorgen sich so mit Nahrung.

Im Labor läuft es so ab: Dort werden die Larven aufgefangen und in ein Aquarium voller Bachforellen gesetzt. Nach einigen Monaten haben sich aus den Larven kleine Muscheln entwickelt. Sie brauchen die Hilfe der Fische nicht mehr und fallen von den Kiemen ab. In Behältern mit Wasser werden die Tiere weiter aufgepäppelt. Bis sie etwa drei Monate alt und einen Millimeter groß sind. Dann kann Heidi Selheim sie unter dem Mikroskop gut beobachten.

Später werden die Muscheln auf speziellen Platten im Perlenbach ausgesetzt. Und dann heißt es: abwarten und hoffen. Darauf, dass die Muscheln kräftig wachsen und irgendwann keine Hilfe mehr brauchen.

(dpa)