1. Karlo Clever

Rollstuhl-Rugby: Wie Autoscooter und Schach

Rollstuhl-Rugby : Wie Autoscooter und Schach

Mit einem Rollstuhl durch eine Sporthalle rasen und andere rammen: Das ist Rollstuhlrugby! Reporterin Louisa Grübler hat diese Sportart für Menschen mit Behinderungen ausprobiert.

Ich habe bisher noch nie Rugby gespielt. Ich saß auch noch nie in einem Sport-Rollstuhl. Trotzdem möchte ich die Sportart Rollstuhl-Rugby gerne einmal ausprobieren. Die besten Spielerinnen und Spieler der Welt werden in dieser Sportart bald bei den Paralympischen Sommerspielen in Japans Hauptstadt Tokio antreten.

Ganz so weit bin ich nicht gereist. Ich bin zu Besuch beim Training der Rugby-Löwen in Leipzig. Das ist eine Stadt im Bundesland Sachsen. Ich bin ein bisschen aufgeregt. Ich habe gar keinen Plan, wie Rollstuhl-Rugby überhaupt funktioniert. Ich weiß nur: Es kann ziemlich wild und laut werden. Außerdem mache ich mir etwas Sorgen um meine Finger.

Stabile Rollstühle

Um überhaupt mitspielen zu können, brauche ich erst mal einen Sport-Rollstuhl. Ganz normale Rollstühle würden viel zu schnell kaputtgehen. Deswegen sind die Sport-Rollstühle besonders stabil und belastbar.

Und das aus einem guten Grund: Beim Rollstuhl-Rugby krachen die Spieler ständig ineinander. „Rollstuhl-Rugby ist wie Autoscooter und Schach“, erklärt Spieler Maik Lüdtke. Durch das Rammen versucht man, Gegner zu blockieren und sie am Weiterfahren zu hindern.

Man muss darüber nachdenken: Was könnte der Gegner vorhaben und was mache ich als Nächstes? Fast wie beim Schach, erklärt mir Maik Lüdtke. Dann grinst er und fährt im nächsten Moment in mich rein. Rumms! Mich haut es fast aus dem Rollstuhl. Zum Glück bin ich mit einem Gurt festgeschnallt.

Das war dann wohl mein Aufnahmeritual. Ich darf mitspielen. Am Anfang muss ich das Lenken und Bremsen mit dem Rollstuhl lernen. Ich bin hochkonzentriert, und ein bisschen überfordert. Oft weiß ich gar nicht, wohin ich fahren muss oder wen ich blockieren soll. Dann muss ich auch noch den Ball fangen und werfen. In meinem Kopf herrscht ein Gedanken-Chaos. Aber das macht überhaupt nichts: Es gibt immer jemanden, der mir hilft oder zuruft, was ich machen soll.

Sehr anstrengend

Das Rasen durch die Halle ist großartig! Auch das Rammen macht Spaß. Aber es ist auch sehr anstrengend. Ich muss gestehen: Immer wieder fällt mein Blick auf die Uhr. Ich hoffe, dass das Training bald vorbei ist. Meine Arme fühlen sich schwer an. Ich bin diese Bewegung – also ans Antreiben der Rollstuhl-Räder – einfach nicht gewöhnt.

Trotzdem verlasse ich das Training mit einem breiten Grinsen. Auch meine Finger sind zum Glück noch ganz.

(dpa)