Karlo Clever im Interview: Wer schreibt für den Bildschirm?

Karlo Clever im Interview : Wer schreibt für den Bildschirm?

Viele Szenen und Gespräche in dem Film hat sich Marco Petry aus Baesweiler ausgedacht. Er ist Regisseur und Drehbuchautor und erzählt, wie ein Drehbuch entsteht.

Woher kommen Ihnen die Ideen für ein Drehbuch?

Marco Petry: Es gibt Drehbücher, die aus einem Buch entstehen, wie zum Beispiel „Meine teuflisch gute Freundin“. Da ist die Grundidee natürlich schon da. Sonst schreibe ich oft über ein Thema, das mich beschäftigt und denke mir dazu weitere Dinge aus.

Was steht in einem Drehbuch?

Petry: Darin stehen Dialoge und wichtige Anweisungen, um eine Szene zu verstehen. Dazu gehört etwa, an welchem Ort sich die Figuren befinden oder wie sie sich verhalten. Sind sie selbstbewusst oder zittern ihre Hände, wenn sie sprechen? Das ist wichtig. Ob jemand ein blaues oder grünes Shirt trägt, ist hingegen erstmal egal.

Wie sind Sie Drehbuchautor geworden?

Petry: Seit ich Kind war, wollte ich Filme machen. Mein erstes Drehbuch habe ich geschrieben, als ich 18 Jahre alt war. Damals hatte ich keinen Auftrag dafür. Ich hatte aber Glück. Eine Fachfrau fand das Drehbuch gut und der Film wurde gedreht. In dem Film geht es um die Schulzeit und deren Ende. Das war ein Thema, das mich damals beschäftigt hat. Außerdem habe ich an einer Filmhochschule studiert.

Was macht einen guten Autor aus?

Petry: Ein Autor muss den Zuschauer dazu bringen, mit seiner Hauptfigur mitzufiebern. Er muss diese Figur auf eine interessante Reise schicken, auf der sie viele Probleme und Aufgaben zu bewältigen hat. Und am Ende der Reise hat die Figur sich ein klein wenig verändert, hat etwas dazu gelernt. In dem Film „Meine teuflisch gute Freundin“ erlebt die Hauptfigur Lilith zum Beispiel genau so eine Reise.

Wie viel Einfluss hat der Drehbuchautor auf den fertigen Film?

Petry: Es kann immer sein, dass der Regisseur etwas ändert, weil eine Szene zum Beispiel zu aufwendig geschrieben ist. Oder dass die Schauspieler bei den Proben feststellen, dass sich bestimmte Dialoge anders besser sprechen lassen. Als Autor darf man nicht erwarten, dass das Buch genau so umgesetzt wird, wie man es geschrieben hat. An der Herstellung eines Films sind viele Menschen beteiligt. Das Buch bildet die Grundlage, aber es kann sich bis zum fertigen Film auch noch viel verändern.

(dpa)
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