1. Karlo Clever

Berlin: Wer lässt die Puppen tanzen?

Berlin : Wer lässt die Puppen tanzen?

Ann-Kristin krempelt ihre Hose hoch. Dann malt sie sich zwei Punkte auf das Knie. Das sollen Augen sein. Darunter zeichnet sie einen Schnurrbart. Fertig ist ein Gesicht. Darüber zieht Ann-Kristin ein blaues Hemd. Sie steckt ihre Hände durch die Ärmel. So entsteht plötzlich eine Figur. Ein kleiner Kerl mit Schnurrbart. Er guckt neugierig den Weg entlang, zupft sich das Hemd ordentlich zurecht und stellt sich vor: „Ich bin Keule.“

Es ist die Stimme von Ann-Kristin, die das sagt. Aber auch wieder nicht. Sie klingt anders, als ihre normale Stimme. Es ist eben Keules Stimme. Ann-Kristin lässt den kleinen Kerl lebendig wirken. „Ich stelle mir vor, wie Keule so ist. Wie er sich bewegt und wie er redet. Und dann spiele ich einfach los“, erzählt Ann-Kristin. Sie ist 27 Jahre alt und lernt den Beruf Puppenspielerin.

Puppenspiele gibt es schon sehr lange. Früher zogen Puppenspieler oft von Ort zu Ort und führten ihre Theaterstücke auf Straßen, Plätzen und Jahrmärkten auf. Dabei machten sie sich mit den Figuren oft über die damaligen Herrscher lustig. Den Mächtigen passte das natürlich gar nicht und so bekamen manche Puppenspieler großen Ärger. Einige wurden sogar ins Gefängnis gesteckt.

Davor müssen Puppenspieler heute keine Angst mehr haben. Im Gegenteil: Puppenspieler ist heute sogar ein richtiger Beruf. Vor einigen Monaten hat Ann-Kristin angefangen, diesen Beruf an einer Hochschule für Schauspielkunst in der Hauptstadt Berlin zu erlernen. Sie studiert dort Puppenspiel. „Es macht mir viel Spaß, die Dinge lebendig werden zu lassen“, sagt Ann-Kristin. Genau darum geht es beim Puppenspiel.

„Je nachdem wie ein Gegenstand oder eine Puppe bewegt wird, kann man sehen, wie sie sich fühlt und was sie denkt“, sagt Ann-Kristin. Puppenspieler-Profis beherrschen so etwas perfekt.

Für ihren Beruf brauchen Sie viel Fantasie. Sie müssen aber auch sonst jede Menge können. Als Studentin lernt Ann-Kristin zum Beispiel, ihre Stimme richtig einzusetzen, um ihre Figuren mit einer eigenen Stimme reden zu lassen. Dazu bekommt Ann-Kristin an der Hochschule speziellen Sprechunterricht.

Sie nutzt aber nicht nur ihren eigenen Körper, um in eine andere Rolle zu schlüpfen. „Ich kann mit allen möglichen Dingen spielen, vom Pfefferstreuer bis zur Plastiktüte oder einer Puppe“, sagt Ann-Kristin. „Puppenspiel geht sogar mit mehreren Figuren gleichzeitig. Da gibt es keine Grenzen. Das mag ich so an dem Beruf.“

(red)