1. Karlo Clever

Lawinen: Wenn Schnee ins Rutschen gerät

Lawinen : Wenn Schnee ins Rutschen gerät

Skifahren auf der Piste ist eine sichere Sache. Wer aber die sicheren Strecken verlässt, muss aufpassen: Dort können Lawinen entstehen. Zum Glück wissen Fachleute, wo es sicher ist.

Einen Schneemann bauen, Rodeln gehen oder Schneebälle werfen, macht jede Menge Spaß. Viele Leute fahren auch gerne Ski oder Snowboard. Klar, das geht nur in den Bergen. Sind die Hänge dort steil, rutscht der Schnee manchmal ab: Eine Lawine entsteht. Das kann gefährlich werden. Forschende beobachten deswegen den Schnee in den Bergen genau.

Einer von ihnen ist Benjamin Zweifel. Er arbeitet an einem In­stitut für Schnee- und Lawinenforschung im Land Schweiz. Dort gibt es sehr viele Berge. „Um zu verstehen, was bei einer Lawine passiert, muss man die Schneedecke verstehen“, sagt er. So eine Schneedecke besteht in den Bergen aus verschiedenen Schichten.

Unterschiedliche Eigenschaften

Jedes Mal, wenn es schneit, kommt eine Schicht dazu. Diese Schichten haben unterschiedliche Eigenschaften. Einige sind schwächer als andere. „Man kann sich das vorstellen wie ein Sandwich“, erklärt Benjamin Zweifel. Je mehr Schichten, desto weniger stabil ist alles. Sobald jemand von oben auf das Sandwich drückt, rutschen einzelne Schichten wie Salat oder Käse heraus.

Fährt etwa ein Skifahrer im Tiefschnee herum, übt er Druck auf die Schneedecke aus. Dann kann es sein, dass eine Schneeschicht kaputt geht. „Wenn eine schwächere Schicht bricht, rutscht die darauf liegende Schicht wie ein großes Brett los“, sagt der Experte. „Wer auf dieser Fläche steht, wird mitgerissen.“ Diese Form der Lawine nennt man daher Schneebrett-Lawine.

Damit so etwas möglichst nicht passiert, erstellen die Lawinenforscher und -forscherinnen jeden Tag Lawinenwarnungen. Sie sagen den Wintersportlern, wie wahrscheinlich an einem Tag in einer Region eine Lawine runterkommt. Dabei unterscheiden sie fünf Stufen: Stufe eins steht für geringe Gefahr, Stufe zwei für mäßige Gefahr, Stufe drei für erhebliche Gefahr, Stufe vier für große Gefahr und Stufe fünf für sehr große Gefahr.

Für seine Vorhersagen nutzt das Lawinenteam Informationen von Wetterstationen. Es arbeitet außerdem mit mehr als 200 Lawinenbeobachtern zusammen. Diese berichten jeden Tag, wie viel neuer Schnee in der Nacht gefallen ist. Sie schauen sich auch die Schneeschichten an, die in ihrer Region gerade liegen. „Diese Beobachter sind sehr gut geschult und haben viel Erfahrung in den Bergen“, sagt Benjamin Zweifel. Doch die Forschenden warnen nicht nur vor Lawinen. Sie machen manchmal auch selbst welche! Dafür hat die Schweiz ein großes Testgelände. Dort lösen sie Lawinen aus und messen dann: Wie stark sind sie, wie schnell und wie weit rutschen sie? Daraus lernen die Forschenden viel, um noch bessere Ratschläge geben zu können.

(dpa)