1. Karlo Clever

Trennung der Eltern: Wenn plötzlich alles anders ist

Trennung der Eltern : Wenn plötzlich alles anders ist

Eine Familie besteht häufig aus Eltern und ihren Kindern. Doch manchmal verstehen sich Vater und Mutter nicht mehr gut. Wenn sie sich trennen, müssen alle ihr Leben neu ordnen.

Hin und wieder zu streiten, ist ganz normal. Doch manchmal verstehen sich Menschen einfach überhaupt nicht mehr. Betrifft das die Eltern, ändert sich auch für die Kinder sehr viel. „Trennen sich Eltern, ist es für Eltern und Kinder eine Riesenerschütterung“, sagt Thomas Weyand. Thomas Weyand berät im Kinderschutzbund Eltern und Kinder, die Hilfe brauchen. Hilfe beim täglichen Zusammenleben. Hilfe bei schwierigen Fragen. Und manchmal auch Hilfe dabei, sich zu trennen.

Die Entscheidung, sich zu trennen, treffen Eltern allein. „Und das kann Kindern ganz schön den Boden unter den Füßen wegziehen“, erklärt Thomas Weyand. „Ein großes Durcheinander, das viele Fragen aufwirft.“

Wo werde ich wohnen? Wo zur Schule gehen? Werde ich Papa oder Mama noch sehen dürfen? Wie oft? „Es ist wichtig, Kindern zu erklären, was sie behalten, was sicher ist“, sagt Herr Weyand. Aber Eltern müssen die Antworten selbst erst finden. Und gemeinsame Antworten zu finden, ist kompliziert, wenn man sich nicht mehr versteht. Neben den vielen Fragen tauchen auch unterschiedliche Gefühle auf. Darüber zu sprechen, fällt vielen eh schon schwer. „Wenn aber gar nicht klar ist, was ich fühle, ist das noch schwerer“, sagt der Fachmann.

Ein guter Ratgeber ist unser Körper. „Wir reagieren häufig über unseren Körper und unser Verhalten“, sagt Thomas Weyand. Es kann sein, dass du dich krank fühlst, keine Lust aufs Spielen hast. Vielleicht bist du traurig, wütend oder hast Angst. „Es kommt auch häufig vor, dass Kinder auf sich beziehen, was passiert. Sie fragen sich „Was habe ich getan?“ und „War ich nicht lieb genug?“.“ Thomas Weyand sagt: „Das Erste, was wir erklären, ist: Du bist nicht schuld.“

Menschen wie Thomas Weyand reden mit allen Familienmitgliedern. Sie hören sich an, was derjenige oder diejenige sich wünscht. Schutzraum nennt Thomas Weyand das. Das bedeutet, dass Mama und Papa nicht dabei sind. Die Kinder können frei sagen, was ihnen durch den Kopf geht.

Mit Helfenden wie Thomas Weyand schauen die Familien dann, wie sie künftig miteinander umgehen wollen. Manchmal bleiben die Kinder bei der Mutter, manchmal beim Vater. Dann muss besprochen werden, wie die Besuche geregelt werden. Für die Familienbetreuer wie Thomas Weyand ist dabei eins ganz wichtig: dass die Wünsche der Kinder ernst genommen werden. „Das nennt man das Wohl des Kindes oder der Kinder.“

Die Eltern sind dafür verantwortlich, dass es ihren Kindern gut geht. Dafür müssen sie nicht zusammenleben. Aber sie müssen Lösungen finden, die für die Kinder gut sind. Eine perfekte Lösung gibt es nicht, sagt der Fachmann. „Jede Familie ist verschieden. Es kann sein, dass etwas, worauf sich alle geeinigt haben, nicht funktioniert. Dann sprechen wir wieder miteinander und suchen eine andere Lösung.“

(dpa)