1. Karlo Clever

Senftenberg: Wenn die Zeit nicht vergehen will

Senftenberg : Wenn die Zeit nicht vergehen will

Sechs Wochen oder sogar ein bisschen länger haben Schulkinder Sommerferien. Was macht man, wenn die zu langweilig werden? Eine Langeweile-Forscherin berichtet.

Mir ist sooo laaangweilig, was soll ich nur tun? Dieses Gefühl kennt wohl jeder Mensch. Anke Zeißig auch. Doch die Wissenschaftlerin findet Langeweile auch ziemlich spannend. Im Interview mit Insa Sanders berichtet sie darüber.

Haben Sie schon herausfinden können, was genau Langeweile ist?

Anke Zeißig: Jein. Ich würde sagen, Langeweile ist, keinen Zugang in einer Tätigkeit oder Begegnung zu finden. Es ist ein Gefühl, dass sich auf unser Gehirn auswirkt. Wir arbeiten anders, wenn wir gelangweilt sind. Mich interessiert besonders der Zusammenhang zwischen Langeweile und Kreativität. Gerade schaue ich, was dazu schon alles erforscht wurde.

Warum empfinden wir unterschiedliche Dinge als langweilig?

Zeißig: Weil wir Menschen so verschieden sind. Manche lieben es zum Beispiel, wenn die Dinge sehr ordentlich sind und für andere ist Aufräumen furchtbar langweilig. Manche finden Fußball spannend und andere haben Spaß daran, über alles Mögliche nachzudenken.

 Das ist die Psychologin und Langeweile-Forscherin Anke Zeißig.
Das ist die Psychologin und Langeweile-Forscherin Anke Zeißig. Foto: dpa

Warum empfinden wir Langeweile oft als störend?

Zeißig: Einige Philosophen sind der Ansicht: Langeweile ist wie seelischer Hunger. Wenn das stimmt, ist Langeweile ein sehr wichtiges Gefühl und zeigt uns, dass uns etwas fehlt.

Langweilen sich Kinder mehr als Erwachsene?

Zeißig: Kinder langweilen sich mit zunehmendem Alter immer mehr. Im Jugendalter langweilt man sich am meisten. Im Erwachsenenalter nimmt das wieder ab. Neue Studien zeigen jetzt, dass die Langeweile bei älteren Menschen wieder zunimmt.

Haben Sie Tipps, was Kinder tun können, wenn sie sich zum Beispiel jetzt in den Sommerferien langweilen?

Zeißig: Man kann Langeweile vertreiben, wenn man sich vor den Fernseher hockt oder zockt. Damit wird die Zeit aber eher totgeschlagen. Das ist auch mal okay, aber man fühlt sich meist länger glücklich und lebendig, wenn man aktiv etwas macht. Zum Beispiel etwas baut, erfindet, ein Abenteuer erlebt oder etwas Neues ausprobiert. Wenn man etwas herstellt, also etwas Kreatives macht, hat man danach etwas Greifbares in der Hand. Oder man schnappt sich einen Freund oder die Eltern, steigt aufs Fahrrad und erkundet eine Gegend, in der man noch nicht war.

(dpa)