1. Karlo Clever

Esel: Weder dumm noch stur

Esel : Weder dumm noch stur

Seit Tausenden von Jahren begleiten Esel die Menschen. Sie schleppen zum Beispiel schwere Lasten für sie. Hast du dieses Tier auch schon in deiner Wohnung entdeckt?

In der Weihnachtszeit steht in vielen Wohnzimmern ein Tier, das in Deutschland sonst nicht so häufig anzutreffen ist: ein Esel. Er gehört zur Weihnachtskrippe. Das graue Tier mit den großen Ohren schaut zusammen mit dem Ochsen das Jesuskind an.

Dabei kommen Esel gar nicht aus der Gegend rund um Bethlehem, also der Stadt, wo sich die Weihnachtsgeschichte abgespielt haben soll. Sie stammen ursprünglich aus Afrika. Dort lebten sie als Wildtiere in der Steppe. Deshalb sind Esel auch sehr genügsame Tiere, die mit Trockenheit, Hitze und einfachem Futter klarkommen.

Das machte den Esel zu einem beliebten Nutztier. Und das schon seit Tausenden von Jahren. Damit gehört er zu den ältesten Haus- und Nutztieren der Menschen. Esel wurden schließlich auf der ganzen Welt eingesetzt, zum Beispiel als Lastentiere. Dabei trugen sie schwere Dinge von einem Ort zum anderen.

Lange wurden Esel auch in Deutschland als Arbeitstiere gehalten. Heute sind sie aber meist Freizeittiere, weil sie süß aussehen, geduldig sind und Ruhe ausstrahlen. „Esel sind ganz sanftmütige Wesen und machen alles für den Menschen“, erzählt Fachfrau Dorothe Schmitt.

Das sei allerdings nicht nur eine tolle Eigenschaft, sondern mitunter auch ein Problem. „Der gutmütige Esel lässt sich alles gefallen und erträgt Vieles, ohne zu murren“, sagt Expertin Schmitt. So kommt es, dass ein Esel auch dann einen Reiter oder schwere Lasten trägt, wenn das Gewicht eigentlich viel zu schwer für ihn ist.

Die Gutmütigkeit des Esels hat zu einem großen Missverständnis geführt. Jeder kennt die Beschimpfungen „du dummer Esel“ oder „du doofer Esel“. Dabei seien Esel sehr kluge und auch fleißige Tiere, meint Dorothe Schmitt.

Manche glauben auch, Esel seien stur. Denn wenn sie stehen bleiben, kann man sie nicht so leicht zum Weitergehen überreden. Das hat einen Grund: Wenn Esel Gefahr wittern, flüchten sie nicht, wie etwa Pferde es tun würden. Sie bleiben stehen, wägen ab und verstecken sich sogar, wenn es sein muss. Das liegt daran, dass Esel ursprünglich aus steinigen, oft steilen Regionen kommen. Dort wäre es gefährlich, einfach loszurennen.

Wenn ein Esel nicht über etwas drüber gehen will, hilft kein Zerren und kein Treiben. „Aber wenn der Mensch Ruhe ausstrahlt und dem Esel Sicherheit gibt, kann er ihn überzeugen, ihm zu folgen“, sagt Dorothe Schmitt.