1. Karlo Clever

Bozen: Was machte Ötzi in den Bergen?

Bozen : Was machte Ötzi in den Bergen?

Als Ötzi entdeckt wurde, merkte erst niemand, dass er eine Sensation ist. Damals wanderte ein Ehepaar in den Alpen. Plötzlich sah der Mann eine Leiche, die zur Hälfte im Eis steckte. Er dachte: Es ist wohl ein Skifahrer oder ein Bergsteiger, der vor einigen Jahrzehnten verunglückt war. Forscher untersuchten die Leiche und die Werkzeuge, die neben ihr lagen. So fanden sie heraus: Die Leiche ist etwa 5300 Jahre alt. Eine Sensation!

Bekannt ist die Mumie heute vor allem als Ötzi. Denn sie wurde in den Ötztaler Alpen entdeckt. Manche nennen sie auch „Der Mann aus dem Eis“. Seit 20 Jahren liegt Ötzi in einer Eisgruft in einem Museum in Bozen. Das ist eine Stadt in Italien. Dort wird die Leiche gekühlt und mit Wasser besprüht, damit sie nicht austrocknet. Die Wissenschaftler haben inzwischen viel über den „Mann aus dem Eis“ erfahren: Dazu untersuchten sie zum Beispiel seine Kleidung, den Inhalt seiner Taschen und was er im Magen hatte.

Heute weiß man: Ötzi hatte einige Krankheiten. Seine Lunge zum Beispiel war schwarz, deshalb vermuten Forscher, dass er sich viel am offenen Feuer aufhielt und diese Luft einatmete, als er noch lebte. Außerdem wurde Ötzi wohl ermordet. Er soll aus der Ferne mit einem Pfeil in den Rücken erschossen worden sein. Wissenschaftler fanden einen Pfeil in der Mumie. Die Frage ist aber: Wer hat den Pfeil abgeschossen? Und warum? „Genau werden wir das wohl nie erfahren“, sagt Katharina Hersel. Sie arbeitet in dem Museum, in dem Ötzi liegt. Die Wissenschaftler schließen aus, dass Ötzi getötet wurde, um ihn zu bestehlen.

Denn neben ihm lag ein Kupferbeil. Und Kupferbeile waren vor mehr als 5000 Jahren sehr, sehr wertvoll. Vieles ist also noch immer ein Rätsel. Zum Beispiel auch, welchen Beruf er hatte. Hirte war Ötzi wohl nicht. Denn Tiere wurden erst 1000 Jahre später auf Sommerweiden getrieben. Als Bauer hat Ötzi aber wohl auch nicht gearbeitet. Denn die Muskeln an seinem Skelett zeigen, dass Ötzi zwar viel gelaufen ist, aber keine schweren Lasten geschleppt hat. „Es bleibt noch Landbesitzer. Jäger. Oder etwas, an was wir heute gar nicht denken“, sagt Katharina Hersel.

Sie glaubt aber fest daran, dass Forscher in Zukunft noch mehr über Ötzi herausbekommen werden. „Es werden immer neue Maschinen mit feineren Messmethoden erfunden. In fünf Jahren sehen wir vielleicht Dinge, die uns heute noch unbekannt sind“, sagt Katharina Hersel.

(red)