1. Karlo Clever

Karlo Clever: Was Kinder im Krieg malen

Karlo Clever : Was Kinder im Krieg malen

Wie geht es den Kindern in der Ukraine? Das sieht man unter anderem an den Bildern, die sie malen: Sie denken an die schönen Dinge auf der Welt. Und sie glauben an den Sieg ihres Landes.

Als der Krieg nach Charkiw kam, versteckten sich die Menschen in den U-Bahn-Stationen der Stadt. Sie hofften, dort unten sicher zu sein vor den Bomben und Raketen. Angegriffen wurden sie von der Armee des Landes Russland. Nicht nur in Charkiw, sondern in vielen Orten der Ukraine suchten die Menschen Schutz in Kellern, U-Bahnen und Bunkern. Oft blieben sie dort tagelang oder sogar wochenlang.

Unter ihnen war auch Julia Rybinska mit ihren beiden Töchtern. Mila ist fünf Jahre alt, Nika ist 14 Jahre alt. Eines Tages malte Mila ein Bild, und das brachte Frau Rybinska auf eine Idee: Sie könnte auch andere Kinder in der U-Bahn dazu bringen zu malen. Sie erzählt: „Malen hat die Kinder abgelenkt und sie eine Weile lang beschäftigt.“ Sie hatten in dieser Zeit dann weniger Angst dort unten in den U-Bahn-Tunneln.

Julia Rybinska ist selbst Künstlerin und organisiert normalerweise Ausstellungen. Im Krieg half sie, Malklassen für die Kinder zu organisieren. Papier, Stifte, Pinsel und Farben mussten von draußen geholt werden, wenn gerade kein Bombenangriff war. Viele Freiwillige und die Stadtverwaltung kümmerten sich darum. Die Malklassen fanden auf den Bahnsteigen statt. Die Kinder malten zwischen Zelten und Matratzen, wo die Menschen nachts schliefen.

Die meisten Kinder entschieden sich dazu, etwas Schönes auf dem Blatt zu erschaffen. Dort sind zum Beispiel Vögel zu sehen oder Delfine oder Regenbögen. Julia Rybinska sagt dazu: „Die Bilder sind hell und verströmen eine gute Energie. Es ist toll, dass die Kinder während der Bombardierung die Hoffnung nicht verloren haben, dass die Welt wunderschön ist.“

Auf einigen der Kinderbilder taucht auch der Krieg auf. So sind etwa Panzer und Militärflugzeuge darauf. „Diese Bilder sind vor allem ein Aufruf an unser Militär“, sagt Frau Rybinska. Die Kinder glaubten daran, dass die ukrainischen Soldaten sie beschützen und am Ende siegen werden. Deswegen malten einige auch Friedenstauben.

Zahlreiche dieser Bilder wurden aus Charkiw rausgebracht. Ein Teil davon ist derzeit in einer Ausstellung in der deutschen Hauptstadt Berlin zu sehen. „Ich will diese Zeichnungen überall auf der Welt zeigen“, sagt Julia Rybinska. Das sei auch wichtig für die Kinder in der Ukraine: Dann sehen sie, dass Menschen in anderen Ländern mit ihnen fühlen und sie unterstützen.

Einige der Mädchen und Jungen der Malklassen erzählten auch etwas zu ihren Bildern. Die 13-jährige Alina etwa malte ein Herz in Blau-Gelb, den Farben der ukrainischen Flagge. Sie sagte: „Die Ukraine lebt, aber ihr Herz tut weh.“ Der sechsjährige Nikita malte einen Panzer in ähnlichen Farben. Er erklärte: „Der ukrainische Panzer beschützt uns.“

(dpa)