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Karlo Clever: Was ist ein Dialekt?

Karlo Clever : Was ist ein Dialekt?

Wusstest du, dass es nicht nur eine, sondern viele deutsche Sprachen gibt? Man kann oft an der Aussprache und den Wörtern erkennen, aus welchem Teil unseres Landes jemand kommt.

Im Norden wird geschnackt, bei den Schwaben wird geschwätzt und in Hessen wird gebabbelt. In Deutschland sprechen die Menschen viele unterschiedliche Sprachen. Man nennt sie Dialekte. Doch diese sind bedroht! Warum das so ist, verrät der Sprachforscher Hubert Klausmann der Redakteurin Stefanie Paul im Interview.

Herr Klausmann, was sind Dialekte eigentlich genau?

Hubert Klausmann: Dialekte sind Sprachen. Aber sie sind räumlich stark begrenzt. Man spricht diese Sprache also nur in einer bestimmten Gegend. Außerdem sind Dialekte nicht verschriftlicht. Das bedeutet, sie werden nicht geschrieben, sondern nur gesprochen. Das unterscheidet sie von den Nationalsprachen wie dem Hochdeutsch.

Immer weniger Menschen sprechen Dialekt. Warum ist das so?

Klausmann: Da gibt es zwei große Gründe. Grund eins ist die Mobilität. Die Leute sind nicht mehr so ansässig wie früher. Sie pendeln heute zum Teil viele Kilometer zwischen ihrem Wohnort und ihrem Arbeitsplatz. Die Menschen sind also viel mehr unterwegs und dabei kommen sie mit anderen Dialekten in Kontakt. Dadurch verändert sich auch die Sprache.

Und was ist der zweite Grund?

Klausmann: Dialekte haben einen schlechten Ruf. Vor 50 bis 60 Jahren war es besonders schlimm. Damals wurden viele Kinder von ihren Lehrern gegängelt, es hagelte eine schlechte Note nach der anderen. Wer Dialekt sprach, galt als dumm und langsam und man glaubte, so jemand könne später keinen guten Job bekommen.

Das klingt ganz schön gemein.

Klausmann: Viele Eltern wollten deshalb, dass ihre Kinder keinen Dialekt mehr sprechen. Sie sollten in der Schule keinen Nachteil haben. Dadurch ist eine komische Situation entstanden: Die Eltern sprechen teilweise noch sehr gut Dialekt, aber sie haben die Sprache nicht mehr an ihre Kinder weitergegeben.

Können Dialekte auch cool sein?

Klausmann: Natürlich. Für den Dialekt spricht zum Beispiel, dass er für ganz viele Menschen immer noch Heimat bedeutet. Und ich finde, Heimat darf man niemandem wegnehmen. Es ist doch auch schön, dass wir Menschen verschieden sind, auch sprachlich. Stell dir mal vor, alle Menschen wären gleich, würden gleich aussehen, hätten dieselben Klamotten an. Das wäre doch grauenvoll.

Glauben Sie, Dialekte werden irgendwann mal aussterben?

Klausmann: Das ist ganz schwierig zu sagen. Man kann bei Sprachen prinzipiell nichts vorhersagen. Wenn es aber so weitergeht, dann werden sie auf jeden Fall sterben und durch großräumige Dialekte ersetzt werden. Aber vielleicht werden die dann auch eines Tages ausgestorben sein. Dialekte sind aber ein sehr wichtiger Teil unseres Lebens und daher unbedingt schützenswert.

(dpa)