1. Karlo Clever

So echt wie möglich: Was ist eigentlich ein Präparator?

So echt wie möglich : Was ist eigentlich ein Präparator?

Ein Naturkundemuseum, in dem nur Fotos und Schilder an den Wänden hängen? Das wäre langweilig. Die Besucher wollen lebensechte Tiere betrachten. Helfen kann da ein Präparator.

Noch stecken lauter Nadeln im Federkleid. So kann nichts an den mächtigen Schwingen des Greifvogels verrutschen, bis die Arbeit von Robert Stein getrocknet ist. Robert Stein ist Präparator. Das heißt, er macht Tiere für ein Museum haltbar.

Gerade arbeitet er an einem Gaukler. Das ist ein Vogel, der eigentlich in Afrika lebt. Der Vogel in Robert Steins Werkstatt hat tatsächlich mal gelebt, und zwar im Berliner Tierpark. Als der Gaukler starb, wurde entschieden, das Tier zu erhalten.

Was ein Präparator tut, nennen manche Leute auch Ausstopfen. Das hört Robert Stein aber nicht gern. Schließlich stopft er nicht einfach ein bisschen Stroh und Watte in den Gaukler und fertig ist der Vogel. „Die Arbeit bringt sehr viel mehr mit sich“, erklärt Robert Stein. „Man braucht ein Verständnis für den Körperbau und die Bewegung eines Tiers. Außerdem muss man mit vielen verschiedenen Materialien und Werkzeugen umgehen können.“

Wenn ein totes Tier präpariert wird, braucht man oft nur die oberste Hautschicht des Tierkörpers. Darauf sitzt etwa das Fell oder das Gefieder. Manchmal bleiben auch die echten Krallen, Hufe oder der Schädel erhalten. Alles andere – also die Organe, Muskeln, und so weiter – würden mit der Zeit verrotten. Der Präparator baut den Tierkörper deshalb künstlich nach, um das Tier haltbar zu machen.

„Wenn ich die Natur nachahmen will, muss ich jede Kleinigkeit beachten“, sagt Robert Stein. „Vor allem der Gesichtsausdruck muss perfekt sein. Darauf achten die Menschen am meisten.“ Einen Tierkörper baut er mit verschiedenen Mitteln nach. Mal verwendet er ein Gestell aus Draht und Holzwolle, mal ganze Körperteile aus Kunststoff. An so einem Modell muss Robert Stein etwa Ton auftragen oder entfernen.

Schließlich kommt die Haut, das Fell oder das Gefieder ins Spiel. Es wurde vorher von einem gestorbenen Tier abgenommen, gegerbt und haltbar gemacht. Ganz ähnlich, wie man auch Leder für Schuhe oder Taschen herstellt. Nun muss es der Präparator über den Kunstkörper ziehen und befestigen.

„Ich mache eigentlich die Arbeit eines Schneiders, nur andersherum“, sagt Robert Stein. „Ein Schneider beschert einer Form einen passenden Anzug. Ich muss einem Anzug, also dem Tierfell, die passende Form geben.“ Ein Präparator ist also gleichzeitig Naturforscher, Bildhauer, Schneider und Maler. (dpa)