1. Karlo Clever

Jerusalem: Was genau bedeutet Chamez?

Jerusalem : Was genau bedeutet Chamez?

Bald feiern die Juden auf der ganzen Welt das Pessach-Fest. Dazu gehören auch einige Bräuche. So verbietet es die Religion gläubigen Juden, an Pessach bestimmte Lebensmittel zu essen. Die dürfen sie an diesen Tagen nicht mal besitzen. Dazu gehören etwa normales Brot, Nudeln, Kuchen und Kekse.

Allerdings ist es manchmal schwierig, diese verbotenen Speisen pünktlich aufzuessen. Die Speisen nennt man Chamez. Der Religions-Experte Jeffrey Woolf erklärt, dass die Juden früher dieses Essen vor Pessach weggeworfen oder weggeben haben. Doch das wurde zu kompliziert. Also entschieden ihre religiösen Oberhäupter: Die Juden können ihr Chamez auch verkaufen — und das Geschäft nach Pessach rückgängig machen. Der Experte nennt es ein „Schlupfloch“.

Weil im Land Israel viele Juden leben, verkauft dort die Regierung für das Pessach-Fest ihre verbotenen Vorräte. Dazu gehören zum Beispiel Lebensmittel für die Soldaten in der Armee, für die Patienten in Krankenhäusern und Essen für Schulkinder.

Israel liegt im Nahen Osten. Dort lebt auch Hussein Dschabar. Er ist Muslim und derjenige, der Israel das Essen abkauft. Und das schon seit 20 Jahren. Weil er kein Jude ist, darf er Chamez besitzen. „Wenn ich ihnen helfen kann, warum nicht“, sagt er. Am 29. März wird der Verkauf mit einem Vertrag abgeschlossen: Hussein Dschabar zahlt zum Beispiel 4700 Euro. Dabei sind das Essen und die Getränke in Wirklichkeit Millionen Euro wert. Dann bekommt er eine Liste mit allen Nahrungsmitteln der Regierung. Er erhält auch Schlüssel zu den Orten, wo die Nahrungsmittel gelagert werden.

Er kontrolliert die Nahrungsmittel zwar, aber er verkauft sie nicht weiter. Wenn Pessach vorüber ist, wird der Handel mit Hussein Dschabar beendet. Dann bekommt er sein Geld zurück und die Regierung die Lebensmittel, die nun wieder gegessen werden dürfen.

(dpa)