1. Karlo Clever

Selbstschutz: Warum wir manches eklig finden

Selbstschutz : Warum wir manches eklig finden

Maden, Schimmel oder ein benutztes Taschentuch. Wenn du jetzt denkst „iiiih“, weißt du , worum es geht: Aber warum finden wir bestimmte Dinge abstoßend? Dafür gibt es Gründe.

Abstoßend, unappetitlich, widerlich: So wird das Gefühl des Ekels häufig beschrieben. Der Ekel ist jedoch auch nützlich und sinnvoll. Dabei gibt es verschiedene Formen. Eine Fachfrau für Ekel ist die Psychologin Sonja Rohrmann. Sie kennt sich mit dem Ekelgefühl aus. Sonja Rohrmann sagt: Ekel entwickelt sich aus dem Gefühl der Abscheu. Das ist angeboren.

Wir reagieren dabei zum Beispiel auf schlechten Geschmack, vor allem auf Bitteres oder Saures. Dann verziehen wir das Gesicht oder spucken. Giftige Stoffe etwa schmecken oft bitter oder sauer. „Es ist also eine Reaktion, um den Körper vor Gift zu schützen“, sagt die Expertin.

Vor Krankheiten schützen

Ekel entsteht erst in unseren Gedanken. Er wird etwa ausgelöst durch Körperausscheidungen wie Kot, Urin, Blut oder Schleim, sagt die Expertin. Aber auch verdorbene Dinge gehören dazu. Es ist sinnvoll, dass wir uns davor ekeln, denn all diese Dinge können zum Beispiel Bakterien enthalten. Das Ziel sei es, den Körper vor Krankheiten zu schützen, sagt Frau Rohrmann.

Auch verletzte oder tote Körper lösen Ekel aus. „Das erinnert uns daran, dass wir sterblich sind“, sagt die Expertin. Außerdem finden wir es meist eklig, wenn sich jemand nicht die Hände wäscht oder rülpst und furzt.

Wir Menschen haben Hygieneregeln und Tischmanieren erfunden, um mit dieser Form des Ekels umzugehen. Sie grenzen uns von den Tieren ab. „Wenn man die Regeln nicht befolgt, wird man mit Tiernamen betitelt“, sagt Frau Rohrmann. Dann heißt es etwa, man frisst wie ein Schwein.

Hygieneregeln und Tischmanieren sind jedoch nicht überall auf der Welt gleich. „Ekel ist kulturabhängig“, sagt die Expertin. „In der einen Kultur ist es eklig, Schafsaugen zu essen, in der anderen überhaupt nicht.“ Je nachdem, wo ein Kind aufwächst, lernt es, unterschiedliche Dinge eklig zu finden.

Aber wie kommt es, dass manche Menschen sich schneller oder stärker ekeln als andere? Das hat mit der Persönlichkeit zu tun, sagt Sonja Rohrmann. Oft sei es so, dass Menschen, die eher ängstlich sind, auch ekelempfindlicher sind.

Allerdings könne man sich an Ekel auch gewöhnen. „Je öfter man Ekelreizen ausgesetzt ist, desto niedriger wird die Reizschwelle“, sagt Frau Rohrmann. So überwinden Ärzte oder Pfleger zum Beispiel den Ekel vor Erbrochenem, Kot oder vor Verletzungen. Viele von ihnen finden diese Dinge nicht mehr so eklig, weil sie häufig damit zu tun haben.

Außerdem hängt unser Ekelgefühl auch damit zusammen, wie sehr wir einen Menschen mögen. So ist zum Beispiel der Kuss von Mama nicht eklig. Bei jemandem, den man nicht mag, würde man sich aber ekeln.

(dpa)