1. Karlo Clever

Warum lebt Robbe Willie im Hafen?

Warum lebt Robbe Willie im Hafen?

Mit großen Augen schaut Kegelrobbe Willi im Hafen aus dem Wasser. „Guck mal, eine Robbe“, hört man die Besucher oft begeistert rufen. Viele von ihnen kennen Kegelrobben nur aus dem Zoo. Doch Willi schwimmt in Freiheit in der Nordsee. Dort zwischen den Inseln Sylt und Amrum lebt eine kleine Gruppe Kegelrobben.

Willi kommt im Sommer fast jeden Tag in den Hafen des Ortes Hörnum auf Sylt. Das Tier weiß genau: Wenn es seinen Kopf aus dem Wasser streckt, füttern die Urlauber es mit Heringen.

Doch wie kam Willi überhaupt dorthin? Das weiß der Tierarzt Horst Neumann. Er entdeckte die Kegelrobbe vor 25 Jahren beim Angeln. „Sie war ganz mager und fast blind. Ihre Augen waren ganz trüb. Wir haben das Tier dann mit Fisch gefüttert“, erzählt er. Weil die Robbe riesigen Hunger hatte, fraß sie den Fischern sogar aus der Hand. Das machen wilde Tiere normalerweise nicht. „Wir haben der Kegelrobbe wohl das Leben gerettet“, vermutet Horst Neumann.

So langsam fraß sich das Tier dann Speck an. Nach ein paar Monaten zog die Kegelrobbe weiter. Bald aber sie suchte wieder die Nähe zu Fischern — diesmal nur ein paar Kilometer entfernt.

Thomas Hansen erinnert sich gut an sein erstes Treffen mit der Robbe. Er war Angeln und machte gerade die Fische auf dem Boot sauber. „Plötzlich kommt da was aus dem Wasser und schnappt nach den Fischresten. Ich kriegte einen Riesenschreck!“ Die Robbe schwamm den Fischern hinterher. Und klaute ihnen den Fisch von der Angel, erzählt er.

Einer der Fischer gab dem Tier dann den Namen Willi. „Weil er dachte, dass sie ein Männchen ist“, sagt Thomas Hansen. Doch dann stellte sich heraus: Willi ist ein Weibchen! Aber Wilhelmine will das Tiere jetzt auch kaum jemand auf einmal nennen.

Fischer Thomas Hansen hat mit Willi auch lustige Geschichten erlebt. „Mein Boot lag auf einmal so tief im Wasser. Da war Willi hinten rauf gesprungen“, erzählt er. Inzwischen besucht Willi die Fischer nicht mehr. „Weil die Gäste vorne am Hafen sie mit Hering fütterten“, vermutet Thomas Hansen.

Dass Willi gefüttert wird, findet aber nicht jeder gut. Der Naturschützer Dennis Schaper sagt: „Wir sehen das nicht so gerne. Weil wilde Tiere sich selbst versorgen können und sollen.“

Da die Besucher im Hafen von Hörnum aber so viele Fische austeilen, kommt seit vergangenem Jahr eine zweite Kegelrobbe zu Besuch. Sylta wird sie genannt — oder er, das weiß man nicht genau.

(dpa)