1. Karlo Clever

Glücklich leben: Warum Glück (k)ein Zufall ist

Glücklich leben : Warum Glück (k)ein Zufall ist

Es gibt vieles, was uns im Leben glücklich machen kann. Einen Teil davon können wir sogar selbst beeinflussen. Selbst Missgeschicke fühlen sich dann nicht mehr so lange blöd an.

Hast du schon mal etwas beim Loseziehen gewonnen? Oder hast du dich riesig gefreut, im Freibad ins Wasser zu springen? Solche glücklichen Momente sind toll. Unser Körper kribbelt und wir sind völlig begeistert. Doch so ein Gefühl ist meist kurz.

Wenn es um ein glückliches Leben geht, sprechen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deshalb nicht unbedingt von Glück, sondern von Zufriedenheit. Damit ist eine Art Glück gemeint, das länger dauert. Es geht eher um Glück, das uns nicht zufällig passiert, wie beim Loseziehen.

Glück hängt auch von Genen ab

Einer dieser Wissenschaftler ist Uwe Jensen aus Kiel. Der Professor erforscht, was Menschen zufrieden macht. Er erklärt: Ob wir zufrieden sind oder nicht, können wir zu einem großen Anteil gar nicht selber beeinflussen. Denn das hängt vor allem von unseren Genen ab. Also davon, was unsere Eltern und Großeltern uns an Zufriedenheit vererbt haben.

Außerdem kommt es auf die Umstände an, in denen wir leben. Also zum Beispiel darauf, ob wir gesund sind und Freunde haben. Bei Erwachsenen ist auch wichtig, ob sie verheiratet sind, arbeiten und genug Geld verdienen.

Dann gibt es noch einen Bereich, den wir leicht verändern können, wenn wir unzufrieden sind. Wer Hobbys hat, ist zufriedener als jemand, der sich auf der Couch langweilt. Und wer es nach einem Streit schneller wieder gut sein lässt, ist zufriedener als jemand, der nachtragend ist. Auch Professor Jensen sagt: Gelassenheit macht zufrieden. Aber selbst wenn du jetzt bei allem, was zufrieden macht, sagst: „Ja, das ist bei mir so!“, wird es sich wahrscheinlich nicht immer so anfühlen. Das gute Gefühl, wenn man im Freibad ins Wasser gesprungen ist, hält meistens nur einen kurzen Moment. Die meisten finden ihren einfachen Hopser ins Wasser auch schon weniger toll, wenn der Kumpel daneben einen Rückwärts-Kopfsprung macht. Aber auch wenn der Kumpel genauso ins Wasser hopst: Man gewöhnt sich an das Glücksgefühl. Das Glück nutzt sich mit jedem Sprung ins Wasser also ein bisschen ab.

Zufriedenheit dagegen bleibt. Manchmal merkt man sie stärker, zum Beispiel wenn man beim Kochen geholfen hat, alle am Esstisch sitzen und es allen schmeckt. Und manchmal merkt man eigentlich gar nicht, dass man zufrieden ist. Zum Beispiel wenn einem gerade etwas Blödes passiert ist. Aber wenn dann jemand fragen würde: Bist du zufrieden? Dann überlegt man, denkt vielleicht an das leckere Essen, sein Hobby und seine Freunde und sagt: „Jetzt gerade nicht, aber eigentlich ja.“

(dpa)