1. Karlo Clever

Berlin: Wann solltest du „Nein!“ sagen?

Berlin : Wann solltest du „Nein!“ sagen?

Wir sollten mal über eine Sache reden, über die keiner gern spricht. Weil uns die Sache unangenehm und peinlich ist. Es geht um sexuellen Missbrauch.

Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen bedeutet: Ein Erwachsener oder ein Jugendlicher fasst ein Kind eklig an Stellen an, die diesem unangenehm sind. Oder aber er will selbst angefasst werden. Oder ein Kind küssen wie einen anderen Erwachsenen. Auch mit komischen Unterhaltungen im Internet oder dem Knipsen von Fotos kann bereits sexueller Missbrauch beginnen.

Darüber reden ist besser

Missbrauch an Kindern geschieht immer wieder. Vielen Erwachsenen ist es unangenehm, das anzusprechen. Sie glauben, sie könnten die Kinder damit verängstigen und ihnen das Vertrauen nehmen. Doch man kann etwas tun, um sich vor Missbrauch zu schützen: Bescheid wissen. Also, reden wir darüber!

Ulli Freund kann das gut. Denn sie berät Mädchen und Jungen bei diesem schwierigen Thema. Die Fachfrau stellt klar: „Ganz gleich, unter welchen Umständen der Missbrauch stattfindet: Erwachsene dürfen das nicht! Dein Körper gehört dir allein!“ Ulli Freund hat schon viele Schulklassen besucht. Dort hat sie den Kindern erklärt, dass sie ein Recht auf Hilfe haben. Dass sie deutlich „Nein!“ sagen dürfen, auch wenn es sehr schwer fällt. Und dass Kinder nie Schuld an solchen Übergriffen haben.

Menschen, die Kinder missbrauchen, müssen übrigens keine Fremden sein. Das können auch Bekannte und Verwandte sein, die man eigentlich nett findet. Der Fußballtrainer, die Babysitterin oder der Onkel etwa. „Täter nutzen das Vertrauen der Kinder und auch ihrer Familie aus, um sich zu nähern“, erklärt die Expertin.

Sollte es passieren, dass dir ein Erwachsener zu nahe kommt: Vertraue auf dein Bauch-Gefühl! Keine Panik, die meisten Leute wollen Kindern nichts Böses. Dennoch solltest du auf dich achten. Dauert dir eine Umarmung zu lange? Findest du eine Berührung komisch? Oder hat jemand etwas Merkwürdiges zu dir gesagt?

Bei so einer Sache muss niemand tapfer sein oder sich zurückziehen. Ein guter Rat ist: Erzähle jemandem davon, dem du vertraust! Deinen Eltern, einem Lehrer oder Freunden. Will jemand nichts von deinen Sorgen wissen, dann frage jemand anderes.

Ulli Freund weiß: Das kann schwierig sein. Manchmal kann eine Freundin oder ein Freund dabei helfen, es einem Erwachsenen zu erzählen. Es gibt aber auch ein Hilfe-Telefon. Da hören dir Leute zu, die sich auskennen. Sie sagen dir, was du tun kannst.