1. Karlo Clever

Klezmer: Von traditionell bis modern

Klezmer : Von traditionell bis modern

Klezmer wurde früher auf Hochzeiten gespielt. Heute ist diese Musik meist nur noch auf Konzerten zu hören. Viele der Musiker und Musikerinnen mischen Altes mit Neuem.

Diese Musik ist alt, wird aber auch modern gespielt. Man kann dazu tanzen, sie ist aber manchmal auch traurig. Es geht um Klezmermusik. Das „z“ wird hier wie ein „s“ ausgesprochen: „Klesmer“.

Diese Musik hat eine lange Tradition. Früher war Klezmer die Musik der Juden in Osteuropa,
deren Sprache Jiddisch war. Klezmer wurde vor allem auf Hochzeiten gespielt. Es gab extra Stücke zum Tanzen, aber zum Beispiel auch zur Begrüßung der Gäste. Das erklärt Nicolaas Cottenie. Er spielt Geige und macht selber Klezmermusik.

Ein Tanz zum Kennenlernen

Getanzt wurde vor allem in einer Gruppe, nicht in Paaren. Auf der Hochzeit trafen sich die Familien von Braut und Bräutigam. Für viele sei eine solche Feier die einzige Möglichkeit zum Kennenlernen gewesen, erklärt Herr Cottenie. Die Eltern konnten dann schauen: „Wer heiratet meine Tochter oder meinen Sohn?“ Die Musik sei damals auch viel langsamer gewesen, sagt Herr Cottenie: „Weil auch die Alten mittanzen wollten.“

Klezmermusik werde meistens nicht auf Notenblättern aufgeschrieben, erklärt er: „Man kann die Musik leichter lernen, wenn man sie nach Gehör spielen lernt.“ Als er anfing, habe er Wochen und Monate damit verbracht, Stücke auswendig zu lernen. „Ich war einfach sofort verliebt“, sagt der Musiker.

 Nicolaas Cottenie spielt auf dem Akkordeon unter anderem Klezmermusik.
Nicolaas Cottenie spielt auf dem Akkordeon unter anderem Klezmermusik. Foto: dpa/Hans-Peter Bauer

Meistens wird auf Saiteninstrumenten musiziert: Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass oder Zymbal. „Das ist ein sehr einfaches Klavier“, erklärt Herr Cottenie. Außerdem gibt es Flöten, später kam auch die Klarinette dazu. Gesungen wird normalerweise nicht.

Schön und interessant

Inzwischen wird Klezmer längst nicht mehr nur von Juden gespielt. Außerdem wird Klezmer mit anderen modernen Musikstilen gemischt. Es klingt also ähnlich wie früher, aber meistens nicht mehr genauso. „Es gibt Leute, die alte Stücke nehmen und etwas Neues damit machen“, sagt Herr Cottenie. Manche Gruppen spielen die Lieder aber auch noch so, wie sie früher waren. Zwar gibt es noch ab und zu traditionelle Hochzeiten, auf denen Klezmer gespielt wird. Aber eigentlich wird die Musik meistens nicht mehr so benutzt wie früher. „Man hört sie sich an, weil sie einfach schön ist und weil sie interessant ist“, sagt Nicolaas Cottenie.

In Fürth im Bundesland Bayern gab es gerade ein Festival nur für Klezmer. Zehn Tage lang haben dort Musiker und Musikerinnen aus verschiedenen Ländern gespielt. Auch heutzutage wird bei Konzerten manchmal getanzt, aber nicht immer. Herr Cottenie sagt: „Klezmer kann sehr lebhaft sein, aber auch langsam und traurig.“

(dpa)