1. Karlo Clever

Longyearbyen: Vier Monate lang keine Sonne

Longyearbyen : Vier Monate lang keine Sonne

Cecilia Blomdahl hat seit Mitte Oktober kein Tageslicht gesehen. Sie lebt in der Nähe des Nordpols. Dort ist es gerade rund um die Uhr stockdunkel. Wie das ist, erzählt sie uns.

Es wird schon wieder dunkel! Im Winter sind die Tage bei uns in Deutschland kürzer. Das liegt daran, dass dann die Nordhalbkugel der Erde, auf der wir wohnen, von der Sonne abgewandt ist. Deshalb sehen wir weniger von ihrem Licht. Es gibt sogar Orte, an denen die Sonne eine Zeit lang im Winter gar nicht zu sehen ist. Cecilia Blomdahl lebt mit ihrem Freund Christoffer und ihrem Hund Grim an so einem Ort. Im Interview mit Insa Sanders erzählt sie, was ihr an der Polarnacht gefällt und was sie schwierig findet.

Frau Blomdahl, wo genau leben Sie?

Cecilia Blomdahl: Ich lebe auf Svalbard, einer Inselgruppe in der Nähe des Nordpols. Die Insel, auf der wir leben, heißt Spitzbergen. Der Haupt­ort ist Longyearbyen, wo etwa 2400 Menschen leben. Und: Wir haben hier Eisbären!

 Während der Polarnacht, beobachtet Cecilia Blomdahl mit ihrem Hund Grim, gerne die Nordlichter. Sie lebt auf Spitzbergen, einer Insel in der Nähe des Nordpols.
Während der Polarnacht, beobachtet Cecilia Blomdahl mit ihrem Hund Grim, gerne die Nordlichter. Sie lebt auf Spitzbergen, einer Insel in der Nähe des Nordpols. Foto: dpa/Cecilia Blomdahl

Dort ist gerade Polarnacht. Was bedeutet das?

Blomdahl: Polarnacht ist die Zeit im Jahr, in der die Sonne etwa vier Monate lang nicht über dem Horizont aufgeht. Das bedeutet, dass wir zwei Monate davon in völliger Dunkelheit leben. Wenn man keine Uhr hat, weiß man nicht, ob es Tag oder Nacht ist! Freunde von mir sind mal mitten in der Nacht zur Arbeit gegangen, aus Versehen!

Wie gehen die Menschen mit der Dunkelheit um?

Blomdahl: Durch die Sonne bildet der Körper Vitamin D. Ohne fühlt man sich oft sehr müde und energielos. Deshalb müssen wir darauf achten, Vitamin D in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu uns zu nehmen.

Ich liebe die Dunkelheit, aber im Januar fängt es an, schwierig zu werden. Ich bin müde und muss darauf achten, mich glücklich und energiegeladen zu fühlen. Mir hilft es dann, Sport zu treiben und mich gesund zu ernähren.

Was machen Sie am liebsten während der Polarnacht?

Blomdahl: Ich liebe es, die Nordlichter und die Sterne zu beobachten. Da wir so weit im Norden sind und nur wenig Lichtverschmutzung haben, können wir beides in klaren Nächten sehr gut sehen. Wir können die Milchstraße, Sternschnuppen und sogar die Andromeda-Galaxie mit bloßem Auge sehen. Das ist etwas ganz Besonderes! Ich gehe auch gerne wandern, Ski fahren und bin das ganze Jahr über im Freien!

Haben Sie für die dunkle Zeit eine besondere Ausrüstung?

Blomdahl: Ich habe eine riesige Stirnlampe, die 3200 Lumen hat. Sie verbraucht so viel Energie, dass ich dafür einen 500 Gramm schweren Akku mitnehmen muss!

Wann kommt die Sonne wieder und wird das gefeiert?

Blomdahl: Wenn die Sonne zurückkehrt, wird bei uns eine Woche lang das Sonnenfest gefeiert! Die ganze Stadt versammelt sich und wir zählen einen Countdown herunter. Wenn dann die Sonnenstrahlen um den Berg herumkommen und zum ersten Mal seit Monaten wieder auf das Dorf scheinen, jubeln wir und feiern.

Es ist ein wunderbarer Moment, auf den wir alle lange gewartet haben. Dann verbringen wir die Woche damit, sogenannte Sonnenbrötchen zu essen. Und im Dorf finden viele verschiedene Veranstaltungen wie Abendessen und Konzerte statt.

(dpa)