Was in einem Auktionshaus passiert: Verkauf mit Hammerschlag

Was in einem Auktionshaus passiert : Verkauf mit Hammerschlag

Teppiche, Bücher, Figuren. Das und noch mehr wird in einem Auktionshaus versteigert. Das höchste Gebot bekommt den Zuschlag.

Ein Teppich hängt neben dem nächsten. In großen Metallregalen stapeln sich Geschirr, Vasen und anderer Hausrat. Aus der Ecke guckt ein lebensgroßer Tiger aus Porzellan hervor. Und irgendwo liegen auch noch Schmuck und Kleider. All diese Sachen werden im Auktionshaus Beier in Berlin versteigert.

Bei einer Versteigerung bieten Käufer einen bestimmten Betrag für ein Objekt. Oder sie bieten Geld für mehrere Waren zusammen. Fachleute nennen das auch Auktion. Bevor es losgeht, können sich Interessierte die Angebote genau ansehen. Die meisten Kunden sind Händler. Sie erwerben die Sachen, um sie weiter zu verkaufen, etwa auf dem Flohmarkt. „Ich bin jedes Mal dabei“, sagt etwa der Händler Bilal.

Dann kommt Monika Beier herein. Sie ist die Auktionatorin. Das erkennt man an ihrer schwarzen Mappe und ihrem großen Holzhammer.

Eine große Gruppe Kunden folgt der Frau zu einem Regal. Damit alle sie gut hören, spricht Monika Beier in ein Mikrofon. Sie ruft, was es jetzt mit welchem Startpreis zu ersteigern gibt: „Drei Reihen Kinderbücher: zwanzig Euro!“ – „Dreißig!“, ruft einer aus der Menge. Bilal hebt nur den Finger. Monika Beier versteht sofort: „Vierzig!“, ruft sie. Einige Händler treten zurück. Ihnen wird es zu teuer.

Um alle Gebote mitzubekommen, muss Monika Beier genau aufpassen. Und sie muss viel und schnell reden. Denn damit ein Gebot gültig ist, muss es die Auktionatorin dreimal wiederholen: „Erster: vierzig. Zweiter: vierzig ...“. Aber da bietet schon wieder jemand: „Fünfzig!“. Bilal gibt nicht auf. Er erhöht sein Gebot auf sechzig Euro.

„Erster: sechzig, zweiter: sechzig, dritter: sechzig!“, ruft Monika Beier und haut mit dem Holzhammer auf die Mappe. Mit diesem Hammerschlag steht fest: Die Bücher gehören jetzt Bilal. Man sagt auch: Er hat den Zuschlag bekommen. Damit ist das Zuschlagen mit dem Holzhammer gemeint. Sobald Bilal an der Kasse bezahlt hat, kann er die Bücher mitnehmen.

Diese Aktion war sehr aufregend und schnell. Weniger als eine Minute hat sie gedauert. In diesem Tempo geht es den ganzen Tag weiter, bis alles verkauft ist. Aber ist das viele Reden nicht anstrengend? Monika Beier lacht. „Nein. Mir macht das Spaß“, sagt sie. Außerdem hat sie sich einen Trick ausgedacht. „Normalerweise ruft der Auktionator „Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten“. Ich aber kürze das ab. Mich versteht ja trotzdem jeder“, sagt sie.

Die Idee, an die meistbietende Person zu verkaufen, gibt es schon seit Tausenden von Jahren. Im Römischen Reich wurde damals fast alles versteigert. In Deutschland kamen Auktionen erst vor einigen Hundert Jahren in Mode. (dpa)

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