1. Karlo Clever

Karlo Clever: So entsteht ein „Spiel des Jahres“

Karlo Clever : So entsteht ein „Spiel des Jahres“

In der Stadt Essen stellen Verlage ihre neuen Ideen für Gesellschaftsspiele vor. Zwei Erfinder erzählen von ihrer Arbeit – wie sie nachdenken, basteln, testen und verbessern.

Schachtel auf, Spielanleitung lesen, Spiel aufbauen und los geht’s! Gesellschaftsspiele machen vielen Menschen Spaß, egal ob jung oder alt. Manchmal fragt man sich: Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen? Bevor wir ein Spiel benutzen können, hat sich jemand viele Gedanken und Mühe gemacht.

Zauberer gegen Hexen

Jens-Peter Schliemann und Bernhard Weber sind von Beruf Spiele-Autoren. Sie haben zum Beispiel das Spiel „Zauberberg“ zusammen erfunden. Das wurde dieses Jahr als „Kinderspiel des Jahres“ ausgezeichnet. Dabei spielen alle gemeinsam als Zauberer gegen böse Hexen. Der Kniff dabei: Das Spielbrett steht schräg.

„Die Ausgangsidee war, eine Kugelbahn zum Brettspiel zu machen“, sagt Jens-Peter Schliemann. Im Spiel lässt man eine Kugel den Zauberberg herunterkullern. Zudem ergab sich die Idee, das Spiel kooperativ zu gestalten. Das bedeutet: Alle spielen zusammen und nicht gegeneinander.

Die Erfinderinnen und Erfinder von Spielen denken aber nicht nur nach. Sie verbringen auch viel Zeit mit Basteln. „So probiere ich aus, ob eine Idee überhaupt funktioniert“, sagt Bernhard Weber. Ein selbst gebasteltes Spiel zum Testen wird Prototyp genannt.

Ihre erste Prototyp-Kugelbahn für „Zauberberg“ haben die beiden Erfinder aus Wachs gebaut. Die Kugelbahn sollte immer wieder Verzweigungen nach links und rechts haben. So konnten sie ausprobieren, wie der Zufall wirkt, wenn die Kugel rollt.

„Damit es auch spannend ist, wohin die Kugel läuft, kam die Idee dazu, dass es ein Laufspiel wird“, sagt Jens-Peter Schliemann. Sie entschieden: Zauberer und Hexen machen ein Wettrennen. Dabei bestimmt die Kugel, ob eine Hexe oder ein Zauberer bewegt wird. „So hofft und bangt man, dass die Kugel hinter einem Zauberer liegen bleibt und nicht hinter einer bösen Hexe.“

Bis auf dem Spielbrett alles so funktioniert, wie es soll, mussten die Erfinder immer weiter basteln, verbessern und testen. Dabei haben sie auch mit Kindern gespielt. „Wir haben geguckt, wie sie das spielen und das Regelsystem angepasst“, sagt Jens-Peter Schliemann.

Schließlich stellten sie den fertigen Prototyp einem Verlag vor. Der kümmert sich wie bei Büchern darum, das Spiel zu veröffentlichen. Ist der Verlag vom Spiel überzeugt, lässt er es herstellen und verkauft es.

Bald findet in der Stadt Essen eine große Spielemesse statt, auf der solche neuen Spiele vorgestellt werden. Auch den „Zauberberg“ kann man dort wieder ausprobieren. „Mich da hinzustellen und mir anzugucken, wie das alle spielen, darauf freue ich mich jetzt schon“, sagt Jens-Peter Schliemann.

(dpa)