Karlo Clever: Schokolade aus der Luft

Karlo Clever : Schokolade aus der Luft

Stell dir vor, in einer ganz schlimmen Zeit schwebt plötzlich Süßes vom Himmel. So etwas ist vor 70 Jahren tatsächlich passiert, in der Stadt Berlin. Hier erfährst du, wie es dazu kam.

Ein lautes Brummen erfüllt die Luft. Ein Flugzeug ist am Himmel. Am Boden stehen Kinder und winken. Sie warten auf ein Zeichen. Plötzlich neigt sich das Flugzeug von einer Seite zur anderen. Dann schweben kleine Fallschirme mit Päckchen daran durch die Luft. Langsam segeln sie zur Erde. Die Kinder rennen los, um sie aufzusammeln.

Diese Szene hat sich in der Stadt Berlin zugetragen, etwa drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Flugzeuge brachten damals Lebensmittel und andere Dinge in den Westteil Berlins. Dieser war von der Außenwelt abgeschottet. Straßen, Schienen und Flüsse, die dorthin führten, waren gesperrt.

Aber wie war es dazu gekommen? Deutschland hatte den Zweiten Weltkrieg 1945 verloren. „Die Siegermächte teilten das Land in Zonen ein“, erklärt der Experte Bernd von Kostka. Westdeutschland wurde von den Vereinigten Staaten von Amerika (USA), Frankreich und Großbritannien kontrolliert. Ostdeutschland von der Sowjetunion, zu der auch Russland gehörte. Die Sowjetunion gibt es heute nicht mehr. Berlin – in Ostdeutschland – wurde zwischen diesen vier Siegern aufgeteilt. Im Westteil von Berlin hatten die USA, Frankreich und Großbritannien das Sagen, im Ostteil die Sowjetunion. Der Westteil lag damit wie eine Insel in der Zone der Sowjetunion.

„Doch zwischen den vier Siegermächten kam es zum Streit“, sagt der Experte. Die Sowjetunion blockierte daraufhin die Zugänge zum Westteil. Damit die Menschen dort nicht verhungern, hatte ein Brite die Idee: Lasst uns den Westteil mit Flugzeugen versorgen! Ein Pilot hatte eine besondere Idee. Um Kindern eine Freude zu machen, versprach er, für sie Süßigkeiten aus dem Fenster seines Flugzeugs zu werfen. Damit die Kinder ihn erkennen, wollte er mit den Flügeln des Flugzeuges wackeln. Und so geschah es. Erst heimlich. Doch dann bekam der Pilot sogar von seinen Chefs die Erlaubnis, Süßigkeiten abzuwerfen. Freiwillige packten Päckchen und banden sie an Taschentücher, der Pilot und bald auch viele andere Piloten warfen sie aus Flugzeugen ab.

Die Flugzeuge erhielten den Spitznamen Rosinenbomber. Die gesamte Rettungsaktion ging als Berliner Luftbrücke in die Geschichte ein. „Die Luftbrücke war ein voller Erfolg, über den damals weltweit berichtet wurde“, sagt der Experte. Der Erfolg war so groß, dass die Sowjetunion schließlich die Blockade Westberlins beendete. Das war 322 Tage nach Beginn der Luftbrücke, am 12. Mai 1949, also vor 70 Jahren. Die Luftbrücke wurde allerdings noch ein paar Monate weitergeführt.

(dpa)
Mehr von Aachener Zeitung