1. Karlo Clever

Wilhelmshaven: Schönheiten in der Dunkelheit

Wilhelmshaven : Schönheiten in der Dunkelheit

Sie leben in der Tiefe der Meere. Lange Zeit wusste man von ihnen nichts. Doch es gibt sie: Kaltwasser-Korallen. Forschende wollen die spannenden Tiere und ihren Lebensraum schützen.

Manche Leute halten sie für Pflanzen, weil sie recht reglos an einem festen Ort unter Wasser leben. Aber Korallen sind Meerestiere. Lange Zeit glaubte man, sie würden nur im warmen und flachen Wasser wachsen, wo es viel Licht gibt. Doch dann machten Forschende eine Entdeckung.

Die Fachleute staunten nicht schlecht, als sie Korallen noch an ganz anderen Orten fanden, etwa vor der Küste Norwegens. Das ist ein Land im Norden Europas. Dort leben die Tiere in kaltem Meerwasser, viele hundert Meter tief. An Stellen, zu denen kein Licht mehr vordringt.

Dort unten bauen die Korallen gewaltige Riffe, also lang gestreckte Erhebungen. André Freiwald hat diese riesigen Gebilde zusammen mit seinem Team erforscht. „Vor Norwegen gibt es ein Riff, das ist 14 Kilometer lang“, erzählt der Forscher.

Anders als ihre Verwandten

Weil die Korallen so tief unten wachsen, blieben sie lange Zeit unerforscht. Erste Hinweise gab es jedoch früher schon. In den Netzen von Fischern verfingen sich immer wieder Korallentiere. Man schenkte den Funden aber nicht viel Beachtung und warf sie meist gleich wieder ins Meer. Erst mit der Erfindung von Tauchrobotern und Mini-U-Booten konnten die Fachleute die Korallen anschauen, Fotos aufnehmen und Proben sammeln.

Dabei fanden sie heraus, dass sich die Kaltwasser-Korallen ganz anders ernähren als ihre Verwandten in den warmen tropischen Gewässern. Dort leben die Korallen in einer besonderen Gemeinschaft mit winzigen Algen, welche die Korallen mit Nahrung versorgen.

Bei den Kaltwasser-Korallen ist das anders. „Sie ernähren sich von Plankton“, erklärt der Forscher. Plankton sind winzig kleine Lebewesen, die sich mithilfe der Strömung fortbewegen. Mit ihren Greifarmen, den Tentakeln, fangen die Korallen die kleinen Tierchen ein und verputzen sie. Deshalb findet man die Riffe der Kaltwasser-Korallen auch meist an Stellen, wo die Strömung besonders stark ist und viel Plankton angetrieben wird.

André Freiwald und seine Kollegen und Kolleginnen beobachten die Korallen aber mit Sorge. Durch den Klimawandel erwärmt sich das Wasser in den Meeren. „Wir können diese Erwärmung selbst in großen Tiefen beobachten“, erzählt der Forscher. Wird es den Korallen zu warm, sterben sie ab. In den Tropen ist das schon mehrmals passiert.

Die Korallen haben aber noch ein anderes Problem: Die Ozeane versauern. Dabei spielt der klimaschädliche Stoff Kohlendioxid eine wichtige Rolle. Weil in der Luft mehr davon ist, nehmen die Ozeane größere Mengen davon auf. Im Wasser verwandelt sich das Kohldioxid in Kohlensäure. Die Säure schadet den Korallen. Auch deshalb rufen Forschende immer wieder dazu auf, die Meere besser zu schützen.

(dpa)