1. Karlo Clever

Roboter sollen Gefühle von Menschen besser erkennen

Gefühle verstehen : Wie Roboter ein Lächeln erkennen

Wir Menschen können die Gefühle anderer oft gut wahrnehmen. Für Maschinen ist das enorm schwierig. Aber Forscher wie Arvid Kappas arbeiten daran, ihnen das beizubringen.

Weltweit tüfteln Wissenschaftler daran, dass Computer und Roboter unsere Gefühle und Stimmungen besser verstehen lernen. Warum das sinnvoll sein kann, erklärt Arvid Kappas. Der Universitätsprofessor ist Fachmann für Gefühle und Maschinen.

Wie gut können Roboter erkennen, ob wir gute oder schlechte Laune haben?

Arvid Kappas: „Eigentlich klappt das schon sehr gut – jedenfalls, wenn der Roboter genug Informationen hat. Zum Beispiel kann er den Klang unserer Stimme, unseren Gesichtsausdruck oder auch unsere Körperhaltung wahrnehmen. Wenn jemand lächelt oder weint, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er gerade fröhlich oder traurig ist. Zusätzlich können Roboter nachfragen, wie es uns heute geht. Mit all diesen Informationen ist eine Maschine durchaus in der Lage, auf unsere Gefühle zu reagieren und ihr Verhalten anzupassen – leiser und beruhigend zu sprechen oder einfach einen schönen Tag zu wünschen. Was sie aber nicht kann, ist selbst mit Gefühlen zu reagieren.“

Warum könnte es hilfreich sein, dass ein Roboter erkennt, ob wir gerade fröhlich, traurig oder sauer sind?

Arvid Kappas: „Dafür gäbe es viele sinnvolle Anwendungen. Zum Beispiel könnten in der Schule künftig kleine Lernroboter oder digitale Schulbücher auf dem Tablet erkennen, ob Schüler gelangweilt oder überfordert sind. Die Roboter könnten die Aufgaben dann noch mal erklären oder neu stellen.“

Werden Roboter irgendwann selbst Gefühle haben?

Arvid Kappas: „Vieles, was heute Roboter und künstliche Intelligenz leisten können, haben sich vor 70 Jahren Science-Fiction Autoren in ihren kühnsten Träumen ausgemalt. Auch wenn wir davon noch sehr weit entfernt sind, dass Roboter eigene Gedanken und Gefühle haben, würde ich die Möglichkeit nicht grundsätzlich ausschließen. Es bleibt allerdings die Frage, ob wir das wirklich wollen.“

Was würde denn dagegen sprechen?

Arvid Kappas: „Im Moment übernehmen Roboter vor allem schwere und eintönige Arbeiten in der Industrie, mähen Rasen oder saugen die Wohnung. In Zukunft wird die Zahl ihrer Aufgaben noch zunehmen. Wenn die Roboter aber Gedanken oder Gefühle bekommen, wäre ihre Beschäftigung eine Art moderner Sklaverei. Deshalb sind aus meiner Sicht seelenlose Maschinen die deutlich bessere Möglichkeit.“

(dpa)