1. Karlo Clever

Alltag im Zoo: Rhabarber für die Otter im Gehege

Alltag im Zoo : Rhabarber für die Otter im Gehege

Bei vielen Zoo-Tieren soll es in ihrer Umgebung so ähnlich aussehen wie in ihrer Heimat. Nur wachsen viele der exotischen Pflanzen hier nicht. Da müssen Tierpfleger erfinderisch werden.

Inga Riebel kann es nicht glauben. Erst gestern hat sie den Frauenmantel in das Otter-Gehege gepflanzt. Jetzt liegt die Pflanze mit den kleinen grünen Blüten platt auf dem Boden. „Die Otter haben ihn ausgebuddelt“, ruft sie. Dabei hat
sie extra darauf geachtet, dass die Zwergotter sie beim Pflanzen nicht bemerken. Aber die aufgelockerte Erde hat sie vermutlich verraten. Gerade sitzen die drei Otter ungerührt auf einem trockenen Ast, der über den kleinen Teich in ihrem Gehege ragt.

Die Pflanzenwelt ist wichtig

Inga Riebel ist Tierpflegerin im Bochumer Tierpark. Und „Teilzeit-Gärtnerin“, wie sie sagt. Sie kümmert sich nicht nur um die Säugetiere und Vögel hier, sondern auch um die Pflanzenwelt. „Tiere und Pflanzen lassen sich nicht voneinander trennen“, sagt Inga Riebel. Die Zwergotter, Erdmännchen, Präriehunde und all die anderen Tiere sollen sich möglichst wohl fühlen. Die Besucher sollen einen Eindruck von der natürlichen Lebenswelt der Tiere bekommen.

Die Otter leben zum Beispiel an dicht bewachsenen Ufern von Flüssen und Seen und überfluteten Reisfeldern im Süden Asiens. In ihr Gehege hat Inga Riebel zwei Bäume von dort gepflanzt: einen japanischen Ahorn mit roten Blättern und einen Seidenbaum. „Der ist unfassbar schön. Seine Blüten sehen aus wie rosa Puderquasten“, sagt sie.

Sie hätte gerne noch mehr asiatische Sträucher, Bäume und Blumen im Otter-Gehege. Aber viele von ihnen sind nur schwer zu bekommen oder würden direkt eingehen. Das Klima in Bochum ist natürlich ganz anders als in Asien.

Die Tierpflegerin hat sich daher etwas einfallen lassen. In Asien gibt es Pflanzen mit riesigen Blättern. Als Ersatz hat sie einfach Rhabarber ins Gehege gesetzt. Der hat auch große Blätter. Das Gute: „Selbst wenn die Otter beim Spielen mal etwas von den Blättern rupfen, so mögen sie aber den bitteren Geschmack des Rhabarbers nicht“, sagt die Fachfrau. Daher kann die Pflanze selbst bei den quirligen Ottern gut wachsen.

Bei giftigen Pflanzen muss Inga Riebel besonders vorsichtig sein. Zu ihnen gehört die Schein-Akazie im Gehege der Erdmännchen. „Zum Glück sind die Erdmännchen Fleischfresser und kommen eh nicht gut an die Blätter“, sagt Inga Riebel. In ihrer Heimat, der Savanne, ruhen sich die Erdmännchen natürlich im Schatten unter echten Akazien aus. Aber immerhin ist die Blattform der beiden Bäume gleich. Und: „Schatten ist Schatten“, sagt Inga Riebel.

(dpa)