1. Karlo Clever

Rätselraten um eine Schildkröte in Gelsenkirchen

Junge oder Mädchen : Rätselraten um eine Schildkröte

Ist Spornschildkröte Svenja wirklich ein Mädchen? Oder ein Junge? Noch ist das ein Rätsel. Nicht einmal die Zoo-Tierärztin weiß das. Zu Besuch im Gelsenkirchener Schildkrötengarten.

Schildkröte Svenja streckt ihren runzeligen Hals aus dem Panzer und zupft frische Grashalme aus dem Rasen. „Vielleicht ist sie auch ein Sven“, sagt Tierärztin Pia Krawinkel vom Gelsenkirchener Zoo „Zoom Erlebniswelt“. Die Spornschildkröte ist einfach noch zu jung, um ihr Geschlecht bestimmen zu können.

Denn Svenja oder eben Sven ist erst etwa drei bis fünf Jahre alt. Genau weiß das niemand, weil die Schildkröte von einem privaten Halter und nicht von einem anderen Zoo kommt. „Das Geschlecht können wir erst erkennen, wenn sie etwa acht bis zehn Jahre alt und größer und schwerer ist“, sagt Pia Krawinkel.

Bis dahin ist den Männchen dann ein deutlich längerer Schwanz gewachsen, der über den Panzer herausragt. Und ihr Bauchpanzer wölbt sich nach innen. So können sie sich besser mit den Weibchen paaren.

Ihren Namen haben diese Schildkröten von ihren Spornen. Damit sind verknöcherte Stachel an den Hinterbeinen gemeint. Wofür der Stachel gut ist, weiß man nicht so genau, sagt die Tierärztin Pia Krawinkel.

Spornschildkröten gehören zu den größten Landschildkröten der Welt. Svenja wiegt im Moment noch 13 Kilo. Falls es ein Weibchen ist, kann Svenja bis zu 50 Kilo schwer werden. Falls es ein Männchen ist, könnte es doppelt so schwer werden. Und etwa einen Meter groß.

So ähnlich wie Spornschildkröte Helmuth, der auch im Zoo in Gelsenkirchen lebt. Er ist 22 Jahre alt und bringt 85 Kilogramm auf die Waage.

Im Gegensatz zu Svenja bleibt Helmuth an diesem Morgen erst noch im Innengehege. „Ihm ist es draußen noch zu frisch, aber er geht sicher gleich raus“, sagt Pia Krawinkel. Schildkröten sind empfindlich für Temperaturen. „Sie sind so genannte wechselwarme Tiere und passen sich den Außentemperaturen an“, sagt die Expertin. Das heißt, sie erzeugen keine eigene Körpertemperatur, sondern sind auf die Wärme von außen angewiesen.

Im Schildkrötengarten in Gelsenkirchen gibt es daher Wärmelampen. Denn die Spornschildkröten kommen aus der Sahelzone Afrikas, einer sehr heißen Region. „Wenn es ihnen dort zu heiß wird, graben sie sich mit ihren Vorderbeinen Löcher und verstecken sich in Erdhöhlen“, sagt Pia Krawinkel. Sie ernähren sich dort von Kräutern, Gräsern und Sukkulenten. Das sind Pflanzen, die Wasser speichern.

Tierärztin Pia Krawinkel beobachtet Schildkröte Svenja dabei, wie sie saftiges Gras frisst. „Ich glaube fast, dass sie ein Sven wird“, sagt sie. Aber das ist bisher nur ein Gefühl.

(dpa)