In der Werkstatt einer Puppenspielerin: Puppen klettern, tanzen, sprechen lassen

In der Werkstatt einer Puppenspielerin : Puppen klettern, tanzen, sprechen lassen

Die Werkstatt der Puppenspielerin Kristiane Balsevicius ist bis zur Decke mit Bastelmaterial vollgestopft. Daraus baut sie ihre Puppen. Diese kommen dann in einen großen Koffer. Denn die Puppenbühne geht auf Reisen.

Puppenspielerin Kristiane Balsevicius öffnet einen Koffer. Und damit fängt schon beinahe eine Geschichte an. Denn im Koffer liegen die Puppen für das Theaterstück „Oh, wie schön ist Panama“ nach dem Buch von Janosch.

Die Hauptfiguren sind ein Tiger und ein Bär, die sich zusammen auf den Weg nach Panama machen. Aber sie laufen eigentlich im Kreis und kommen zum Schluss wieder Zuhause an. „Ich bin als Kind selbst viel gereist“, sagt die Puppenspielerin: „Manchmal wollte ich aber auch nicht weg.“ Diese Gefühle habe sie in dem Buch wiedergefunden.

Der Koffer ist einer von vielen in der Werkstatt von Kristiane Balsevicius in der Stadt Berlin. In ihnen steckt alles, was die Künstlerin für ihr Figurentheater braucht. Zu ihren Auftritten kommt sie mit den Koffern und baut die mobile Puppenbühne auf.

Die Spielfiguren für ihre Stücke bastelt sie selbst. Für „Oh, wie schön ist Panama“ stieß Kristiane Balsevicius zufällig in einem Geschäft auf kleine Püppchen mit Wackelarmen und Wackelbeinen. „Da dachte ich, der kleine Tiger könnte auch so laufen“, erzählt sie. Sie kaufte die Püppchen, schnitt einem den Kopf ab und ersetzte ihn durch einen Tigerkopf. Sie probierte aus, damit zu spielen. Und veränderte die Puppe solange, bis die für sie passend war.

Lustig, wie der Tiger mit den Ärmchen und Beinchen baumelt. Der Bär wirkt dagegen ein wenig traurig, sein Kopf hängt schwer herunter. „Ich habe mir vorgestellt, dass der Bär im Laufe des Stücks nicht mehr weiter weiß und nach Hause will“, erklärt Kristiane Balsevicius dessen Aussehen.

Aber warum gibt es mehrere Tiger-Puppen und Bären-Puppen im Koffer? „Manchmal führe ich die Puppen von unten. Die brauchen also einen Stab“, erklärt die Puppenspielerin. „Wenn ich sie vor mir wie auf einem Tisch führe, dann nehm ich sie einfach in die Hand.“ Außerdem gibt es noch Tiger und Bären mit einem langen Stab im Po. So kann die Künstlerin sie auf den Baum klettern lassen.

Auch ein Fuchs gehört zum Beispiel zum Stück. Den spielt die Künstlerin mit zwei Händen. Außerdem stecken selbst fabrizierte Gegenstände wie das Plüschsofa für die Bühne im Koffer.

Das Bühnenbild selbst hat die Form eines großen Ringes und steckt in einer großen Tragetasche. „Ich wollte, dass sich die Bühne dreht, weil der Tiger und der Bär ja im Kreis laufen“, sagt die Puppenspielerin. Was für eine Schlepperei! Die Künstlerin denkt sich deshalb nur noch Stücke aus, bei denen nicht so viel zu tragen ist.

(dpa)
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