Professor Emanuel Richter von der RWTH Aachen im Interview

Kinderuni : „Sie sollten ihre Rechte kennen“

Thema der Kinderuni sind an diesem Freitag die Kinderrechte. Der RWTH-Professor Emanuel Richter will darüber aufklären. Auch in Deutschland werden die Regeln noch oft missachtet. Der 66-Jährige sprach mit Rauke Xenia Bornefeld.

Der Weltkindertag am Freitag, 20. September, ist eine gute Gelegenheit, Kinder über ihre Rechte aufzuklären. Bei der Kinderuni der RWTH Aachen und unserer Zeitung hat sich Emanuel Richter, Professor für Politische Wissenschaft, genau das vorgenommen. „Viele Kinder sehen sich selbst nicht als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft“, sagte er im Interview mit Rauke Xenia Bornefeld. Das möchte er gerne ändern.

Wie lange gibt es schon Kinderrechte?

Emanuel Richter: Noch nicht sehr lange. 1979 gab es das Jahr des Kindes, 1989 wurde die Konvention über die Rechte des Kindes von den Vereinten Nationen verabschiedet. Überlegungen, Kinderrechte zu formulieren, sind also noch recht jung.

Schon länger gibt es die für alle, also auch für Kinder, gültigen Menschenrechte. Warum brauchen wir noch spezielle Kinderrechte?

Richter: Kinder haben spezielle Bedürfnisse, die in unseren Breitengraden schon ganz gut beachtet werden. In anderen Teilen der Welt sieht das allerdings anders aus. In vielen Ländern arbeiten Kinder oder werden sogar als Soldaten rekrutiert. Viele haben keinen Zugang zu Bildung. Ein großes Problem ist auch die Lage von Kindern, die durch Flucht ohne Staatsbürgerschaft dastehen.

Die Rechte der Kinder sind am Freitag, 17 Uhr, das Thema der Kinderuni. Foto: Georg Wendt

Welche Kinderrechte werden in Deutschland oft missachtet?

Richter: Häusliche Gewalt gegen Kinder ist bei uns noch zu weit verbreitet. Zu viele Eltern wissen nicht, dass Kinder ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung haben. Viele wissen nicht, dass Kindern eine gleichberechtigte Anerkennung in der Erwachsenenwelt zusteht. Auch deshalb begrüße ich die Diskussion über eine Aufnahme der Kinderrechte in das Grundgesetz. Allerdings begrüße ich dabei vor allem die Diskussion, denn die Einhaltung von Kinderrechten braucht eher Moral und Empörung als einen Verfassungsgrundsatz.

Sollten sich Kinder selbst für die Einhaltung ihrer Rechte stark machen?

Richter: Sie sollten sie vor allem kennen! Kinderrechte beinhalten auch das Recht auf Information und auf freie Meinungsäußerung. Aber viele Kinder sehen sich selbst nicht als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft. Das sind sie aber. Ihr Wissen in dieser Hinsicht zu stärken, darum geht es auch bei der Kinderuni. Bei einem Rätsel können die Mädchen und Jungen ihr Wissen testen. Wer weiß schon, dass jedes Kind mit seinem ersten Lebenstag ein Recht auf einen eigenen Namen hat?

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