1. Karlo Clever

Berlin: Plötzlich neue Eltern: Emma wächst in einer Pflegefamilie auf

Berlin : Plötzlich neue Eltern: Emma wächst in einer Pflegefamilie auf

Emma ist zehn Jahre alt, ein fröhliches Mädchen mit langen roten Haaren. Sie holt ein Fotoalbum aus dem Regal. Auf der ersten Seite ist eine Geburtsanzeige eingeklebt. Wer sich ein bisschen auskennt, staunt über das Gewicht und die Größen darin: 99 Zentimeter, 17 200 Gramm. Ziemlich groß und schwer für ein Baby. Doch Emma war auch kein Baby mehr, als sie in ihre heutige Familie kam. Sie war fast vier Jahre alt.

Emmas Mutter war erst 17 Jahre alt, als sie ihre Tochter zur Welt brachte. Sie konnte sich nicht richtig um sie kümmern. Denn Emmas Mutter nahm Drogen. Deshalb kam Emma zunächst in eine Familie zur Pflege. Für ein paar Monate lebte sie dort. Dort hatte sie so etwas wie eine zweite Mutter.

Erst dachte man, Emma könne zurück in ihre eigene Familie. Aber ihre Mutter nahm wieder Drogen, also ging es nicht. So kam Emma zu Mutter Nummer drei - Sonja.

Sonja und ihr Mann Thomas hatten schon eine Tochter und wollten gern ein weiteres Kind. Aber Sonja wurde nicht schwanger. Da kam ihnen die Idee, einem Kind, das kein schönes Zuhause hat, eines zu bieten. Doch natürlich fragten sie sich auch: Was kommt da auf uns zu?

Erst war Emma sehr unsicher, jammerte bei jeder Kleinigkeit. Aber nach ein paar Wochen schon sagte sie zu ihren Pflegeeltern „Mama” und „Papa”. „Sie war wie eine Blume, die plötzlich aufblüht”, sagt Thomas, ihr Pflegevater. „Wunderschön, das mitzuerleben.”

Heute sind sie eine Familie wie fast jede andere. „Ich stelle Emma immer als meine Tochter vor, nicht als meine Pflegetochter”, sagt Sonja. Es habe sich schnell eine sehr enge Beziehung zu ihr entwickelt.

Doch manches ist trotzdem nicht so einfach. Emma hat einen anderen Nachnamen als der Rest der Familie. Ihre Pflegeeltern können nicht alles selbst entscheiden. Sondern sie müssen es mit verschiedenen Ämtern absprechen. Und es gibt immer auch noch Emmas eigentliche Eltern.

Ihre richtige Mutter sieht und spricht Emma aber nicht. Auch zu ihrer richtigen Großmutter ist der Kontakt inzwischen abgebrochen. Emma schreibt ihr regelmäßig Karten. Aber es kommt keine Antwort.

Für Emma ist das nicht immer leicht. „Hat mich meine Mama nicht lieb?”, fragt sie manchmal ihre Pflegeeltern. Außerdem will sie wissen: „Darf ich jetzt immer bei euch bleiben?”

Es könnte sein, dass Emma zurück in ihre alte Familie kommt. Aber wahrscheinlich lebt sie weiter bei ihren Pflegeeltern. Bis sie 18 Jahre alt ist. Und ihre neuen Eltern sind sich sicher: „Emma bleibt auch danach unsere Tochter.”

(dpa)