1. Karlo Clever

Züchten leicht gemacht: Pilze zu Hause sprießen lassen

Züchten leicht gemacht : Pilze zu Hause sprießen lassen

Mit etwas Glück findet man jetzt leckere Pilze im Wald. Man kann sie aber auch zu Hause züchten, egal, zu welcher Jahreszeit. Denn manche Speisepilze gedeihen auf dem Balkon.

Da sind welche! Jetzt im Herbst, wenn es draußen wieder kälter ist, kann man im Wald viele Pilze finden. Doch genügend Pilze für ein leckeres Essen zu sammeln, ist nicht so einfach. Außerdem muss sicher sein, dass sie essbar sind. Wie wäre es stattdessen, leckere Speisepilze einfach zu Hause zu sammeln?

Einige Unternehmen machen das möglich. Sie verkaufen Boxen, in denen Pilze wachsen. Ralph Haydl zum Beispiel verschickt solche Pilzpakete. Er weiß, wie man Speisepilze zu Hause züchtet. „Einige Speisepilze wachsen auf kranken oder toten Bäumen und zersetzen sie nach und nach“, erklärt Ralph Haydl. Er verschickt aber keine Bäume, auf denen Pilze wachsen. Seine Speisepilze wachsen stattdessen auf Kaffeesatz.

Kaffeesatz ist das benutzte Pulver, das nach dem Kaffeekochen übrig bleibt. Der enthält wertvolle Nährstoffe. Ralph Haydl erklärt: „In dem Satz steckt ein Stoff, den die Pilze gut verwerten können: Lignin.“ Also sammelt der Fachmann in einigen Cafés in seiner Gegend den Kaffeesatz ein. Den reichert er mit der sogenannten Pilzbrut an, auch Myzel genannt. Das ist ein Geflecht aus winzig kleinen Pilzfäden. Ist die Pilzbrut schön durch den Kaffeesatz gewachsen, packt sie Ralph Haydl in ein Paket und verschickt das an die Kunden.

Für die ist es dann leicht, die Speisepilze wachsen zu lassen. Erst wird das Pilzpaket über Nacht in Wasser getaucht, bis sich der Kaffeesatz vollgesogen hat. Dadurch wird das Myzel aktiviert. Das Paket darf nicht austrocknen, wird also täglich neu befeuchtet. Nach einigen Tagen beginnt ein Fruchtkörper aus dem Kaffeesatz zu wachsen.

Bei den Zitronenseitlingen sieht der am Anfang noch nicht so appetitlich aus: ein bisschen nach Bauschaum oder altem Popcorn. Doch nach etwa zehn Tagen sind die Pilze ausgewachsen. Dann können sie geerntet werden – und gegessen!

Zweimal bis dreimal kann man so Pilze ernten, dann sind die Nährstoffe im Kaffeesatz aufgebraucht. Danach lässt sich die Pilzbrut mit frischem Kaffeesatz wieder anreichern. Wenn es nicht zu heiß oder zu kalt ist, klappt das das ganze Jahr über.

Klar, wer häufig Pilze essen will, kauft die einfach im Supermarkt. „Aber es ist einfach cool, einmal den ganzen Lebenslauf von einem Pilz zu Hause zu erleben und genau beobachten zu können“, findet Ralph Haydl. Darum verschickt er vor allem Pilze aus der Gattung der Seitlinge. Andere bekannte Speisepilze wachsen nicht so leicht oder kaum zu Hause. Champignons etwa brauchen einen anderen Nährboden als Kaffeesatz. Pfifferlinge muss man in Laub- und Nadelwäldern suchen.

(dpa)