1. Karlo Clever

Normal, aber eben doch anders

Prinz der Heilig-Kreuz-Schützenbruderschaft : Normal, aber eben doch anders

Erik Wirtz ist 18 Jahre alt und Prinz der Heilig-Kreuz-Schützenbruderschaft in Hürtgen bei Düren. Das ist besonders, weil er geistig behindert ist. In seiner Freizeit spielt er Schlagzeug.

Erik Wirtz aus dem kleinen Dorf Hürtgen in der Eifel ist 18 Jahre alt, Schüler der Christophorus-Schule in Düren und riesengroßer Fan des FC Bayern München. Und er ist Prinz der Heilig-Kreuz-Schützenbruderschaft in seinem Ort. Das ist eigentlich nicht wirklich etwas Besonderes, weil es in allen Bruderschaften jedes Jahr neue Prinzen gibt. Aber Erik ist eben doch anders als andere Jugendliche. Er hat das Downsyndrom, das heißt, er ist geistig behindert. Und dass ein Mensch mit Downsyndrom Schützenprinz wird, kommt nicht alle Tage vor.

Aber was ist das Downsyndrom überhaupt? Das Downsyndrom ist eine Störung der Chromosomen eines Menschen. Die Chromosomen sind eine Art Bausteine. Auf ihnen stehen Informationen, wie ein Körper entsteht. Sie befinden sich im Zellkern jeder Zelle. Jedes Chromosom ist dort normalerweise zweimal vorhanden.

Beim Downsyndrom ist das 21. Chromosom aber nicht zweimal, sondern dreimal da. Viele Menschen mit Downsyndrom lernen eher langsam, manche – Erik auch – besuchen eine besondere Schule, auf der sie speziell gefördert werden.

Für Erik ist seine Behinderung keine große Sache. Er spielt Trommel in einem kleinen Orchester und Schlagzeug in der Band seiner Schule. Außerdem gehört er zu einer Fußballmannschaft. Und natürlich zur Schützenbruderschaft in seinem Dorf. Da sind auch seine Mutter, sein Bruder und sein Onkel sehr aktiv. Und die haben Erik von Anfang an mitgenommen. Um Schützenprinz oder sogar Schützenkönig zu werden, müssen die Mitglieder der Bruderschaft an einem bestimmten Tag im Jahr an einem Schießwettbewerb teilnehmen und auf einen großen Holzvogel schießen. „Ich hatte dazu Lust“, sagt Erik. „Ich bin nämlich ein großer Fan von dem Film ‚Die Schöne und das Biest’. Und das ‚Biest’ ist ja eigentlich ein Prinz. Da wollte ich auch ein Prinz sein.“

Bei dem Schießwettbewerb ist Erik gegen seinen Bruder und seinen Vetter angetreten – und der Holzvogel ist runtergefallen, als Erik geschossen hat. „Jetzt bin ich Prinz und habe eine große Kette“, erzählt der 18-Jährige. „Und bei unserem Schützenfest habe ich sogar eine Rede gehalten.“

Natürlich braucht Erik manchmal Hilfe. Das ist aber für die anderen Mitglieder der Schützenbruderschaft überhaupt kein Problem. „Es ist für uns selbstverständlich“, sagt der Chef der Bruderschaft, Karl-Werner Schmidt, „jeden Menschen so anzunehmen, wie er ist. Und wir versuchen auch, jeden nach seinen Fähigkeiten zu integrieren.“

Für die Schützen in Hürtgen ist Eriks Behinderung normal. Aber Erik geht auch offen und mit einem Lachen auf seine Umwelt zu. „Er hat keine Berührungsängste“, sagt Eriks Mutter Sylvia Wirtz. „Das wundert mich manchmal selbst.“

Einander akzeptieren

Dass Menschen mit und Menschen ohne Behinderung zusammen in einem Verein aktiv sind oder in der gleichen Schule lernen, nennt man Inklusion. Manchmal ist das gar nicht so einfach umzusetzen, weil Leute mit einem Handicap andere Bedürfnisse haben als Leute ohne. Bei den Schützen in Hürtgen klappt die Inklusion sehr gut. Das funktioniert aber nur, weil beide Seiten, also Erik und die Mitglieder der Bruderschaft, offen aufeinander zugehen und einander mit allen Ecken und Kanten akzeptieren.

Erik ist jedenfalls total stolz und glücklich, dass er Schützenkönig ist. Er besucht mit seiner Bruderschaft andere Schützenfeste. „Mir gefällt das“, sagt er. „Ich würde das nochmal machen.“