1. Karlo Clever

Autokino: Motor aus, Film an!

Autokino : Motor aus, Film an!

Wer in einem Fahrzeug sitzt, will meistens schnell raus, sobald er am Ziel ist. Aber nicht, wenn das Auto in einem Kino anhält! Dann kann man vom eigenen Sitz aus einen Film angucken.

In der Not entstehen manchmal tolle Ideen! So war das auch bei Richard Hollingshead aus dem Land USA vor etwa 90 Jahren. Seine Mutter war eine sehr große Frau. Sie ging nicht ins Kino, weil sie dort den Menschen hinter sich die Sicht versperrte. Richard Hollingshead wollte, dass seine Mutter trotzdem Filme sehen konnte. Also baute er einen Filmprojektor auf das Dach seines Autos und hing Tücher im Hof auf. Auf diese wurde dann mit dem Projektor ein Film geworfen. Aus dem Auto heraus konnte seine Mutter den Film sehen. So entstand das Autokino.

In den folgenden Jahren eröffneten vor allem in den USA viele dieser speziellen Kinos, in die man mit seinem eigenen Auto fahren konnte. Alles, was die Betreiber brauchten, war eine große Fläche für die Autos, eine riesige Leinwand und ein guter Projektor. Den Ton des Films konnten die Zuschauer und Zuschauerinnen über ihr Autoradio empfangen. Dafür bekamen sie gesagt, auf welchen Sender sie es einstellen sollen.

Im größten Autokino konnten damals 3000 Autos stehen. „Das Autokino war etwas Besonderes. Die Menschen haben ihr Haus verlassen, um sich einen Film anzusehen. Aber sie blieben dabei trotzdem in ihrem eigenen Raum, ihrem Auto. Dieses Gefühl gab es weder im Kino noch zu Hause vor dem eigenen Fernseher“, erzählt David Gaertner. Er arbeitet am Seminar für Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Dort beschäftigt er sich mit der Geschichte des Kinos.

„In vielen Autokinos konnten auch andere Dinge gemacht werden“, erzählt David Gaertner. „Die Besucher sollten sich wie zu Hause fühlen.“ So gab es in einigen Autokinos Wäscheautomaten. „Während die Hausfrau sich den Spielfilm ansah, konnte die Wäsche waschen.“ Viele Autokinos hatten auch Spielplätze. So konnten Kindergeburtstage in den Kinos gefeiert werden.

Im Jahr 1960 öffnete das erste Autokino in Deutschland: in Gravenbruch in der Nähe von Frankfurt am Main. Dieses Autokino gibt es bis heute! Viele andere aber haben wieder dicht gemacht, sowohl in Deutschland als auch in den USA. Heute schauen sich viele Menschen Filme lieber Zuhause am Fernseher oder Laptop an.

Wer aber doch einmal durch die Frontscheibe des Autos auf eine Leinwand gucken will: Etwa 20 Autokinos werden in Deutschland noch dauerhaft betrieben. In der Corona-Krise waren es sogar jede Menge mehr. Das Tolle am Autokino: Es gibt keine Sitznachbarn, die quatschen oder mit Popcorntüten rascheln. Man kann sich so viel von seinem Lieblingsessen mitbringen, wie man will. Und Füße hochlegen ist auch erlaubt!

(dpa)