1. Karlo Clever

Film für VR-Brillen: Mittendrin statt nur dabei

Film für VR-Brillen : Mittendrin statt nur dabei

Berühmte Fotos können Geschichte schreiben. Damit diese nicht vergessen werden, hat ein Regisseur einen Film für VR-Brillen gemacht, der die Flucht eines Polizisten in Berlin zeigt.

Es ist der 15. August 1961 in Berlin. Die Stadt ist nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in West-Berlin und Ost-Berlin unterteilt. Die Grenze zwischen den Teilen wird im Osten bewacht, damit sie niemand überquert. Doch dann ist es ein junger Grenzpolizist selbst, der an einer Straßenecke über den Stacheldrahtzaun vom Ostteil in den Westteil Berlins springt. Das Foto, das dabei entstand, wird weltberühmt.

Aus diesem Foto machte der Regisseur Boris Hars-Tschachotin einen ungewöhnlichen Film. Oder um genau zu sein: drei. Der Filmemacher sammelt alles, was er rund um die Geschichte finden konnte: zum Beispiel weitere Fotos, Filme, Akten und Berichte von Augenzeugen. So gelang es dem Regisseur zum einen, die Straßenkreuzung für sein Filmprojekt so nachzubauen, wie sie vor 60 Jahren aussah. Zum anderen konnte er nun eine Geschichte rund um den berühmten Sprung erzählen.

Erzählt aus drei Blickwinkeln

Boris Hars-Tschachotin erzählt sie aus drei Blickwinkeln: der des fliehenden Polizisten, des Fotografen und eines Polizisten aus Westberlin. Die Zuschauer können das Ereignis also aus mehreren Sichtweisen verfolgen. Sie sind dabei mittendrin im Geschehen. Dazu wurde eine besondere Technik benutzt. Das Publikum guckt sich die drei kurzen Filme durch VR-Brillen (siehe Infobox) an. Diesen ungewöhnlichen Film zu drehen, machte viel Arbeit. „Bei den Aufnahmen gab es keinen Schnitt und keine Pause“, sagt Boris Hars-Tschachotin. „Die Schauspieler mussten zu jeder Zeit genau wissen, wo sie stehen oder hinlaufen müssen und was wer wann sagt“, erklärt er. Außerdem kam noch die technische Herausforderung dazu. „Bei so einem Film gibt es keine Kameraleute“, erklärt der Regisseur. „Denn die würde man ja aus irgendeinem Blickwinkel sehen können.“ Stattdessen waren die Schauspieler selbst die Kameraleute. „Sie mussten einen speziellen Helm tragen, an dem 14 Kameras montiert waren“, sagt Boris Hars-Tschachotin. Diese Kameras nahmen das Geschehen gleichzeitig auf. Dadurch entsteht der Rundum-Blick.

 Mit Hilfe einer VR-Brille kann Geschichte sehr lebendig werden.
Mit Hilfe einer VR-Brille kann Geschichte sehr lebendig werden. Foto: dpa/Philipp Brandstädter

Die Mühe lohnte sich. Die Zuschauer können sich nun gut in das Ereignis hineinversetzen. „Sie spüren die Aufregung, wenn sie aus der Sicht des Polizisten sozusagen selbst über den Zaun springen. Oder auch die Spannung des Fotografen, wenn er im richtigen Moment sein berühmtes Bild macht“, sagt Boris Hars-Tschachotin.

(dpa)