1. Karlo Clever

Karlo Clever: Mit der Schere an das Erbgut

Karlo Clever : Mit der Schere an das Erbgut

Menschen bestehen aus Zellen. Das sind Bausteine, in denen sich ein Bauplan für die jeweilige Person befindet. Wissenschaftler versuchen, mit einer Gen-Schere diesen Plan zu verändern.

Ein Löwenzahn, ein Goldhamster und du: Ihr alle habt mehr miteinander gemeinsam, als es zunächst scheint. Denn alle Lebewesen bestehen aus Zellen. Das sind die winzigen Bausteine, aus denen sich Pflanzen, Tiere und Menschen zusammensetzen. In jedem davon steckt ein Bauplan für das Lebewesen. Darin steht, wie die Zellen aussehen, was sie tun müssen und wie sie aufeinander aufbauen.

Nach diesem Bauplan richtet sich etwa, welche Haarfarbe oder Augenfarbe jemand hat. Er beeinflusst auch, wie gut ein Mensch Krankheiten abwehren kann. Der Plan ähnelt dabei den Bauplänen der Eltern. Denn jeder bekommt stets einen Teil des Plans von der Mutter und einen vom Vater. Sie werden vererbt. Darum nennt man die Baupläne auch Erbgut.

Dieses Erbgut zu verstehen ist für die Wissenschaft eine große Aufgabe. Forscher tüfteln daran, wie man diesen Plan bei Menschen verändern kann. Etwa um eine Krankheit zu heilen, indem sie das Erbgut an der entscheidenden Stelle umschreiben.

Wissenschaftler wollen das gewünschte Erbgut noch gezielter beeinflussen. Dabei werden nicht mehr die vollständigen Baupläne zweier Elternteile gemischt. Stattdessen basteln sie im Labor einzelne Abschnitte eines Bauplans in einen anderen hinein. Weil diese Abschnitte auch Gene genannt werden, heißt diese Forschung Gentechnik. Vor Kurzem haben Wissenschaftlerinnen dabei einen Riesenschritt gemacht. Und zwar mit einer Erfindung namens Crispr/Cas9 (gesprochen: Krisper Kas).

„Mit dieser Erfindung können Genforscher den Bauplan der Lebewesen bearbeiten“, erklärt der Wissenschaftler Dimitrios Wagner – und zwar schneller und einfacher als mit anderen Methoden. Crispr/Cas9 ist auch als Gen-Schere bekannt. „Viele Wissenschaftler wollen mit dieser Schere unsere Welt besser machen“, sagt der Fachmann. Allerdings finden diese Idee nicht alle Leute gut. Sie meinen: Der Mensch greift zu weit in die Natur ein und gefährdet sie womöglich.

(dpa)