Klärwerk: Millionen kleine Tierchen, die Dreck lieben

Klärwerk : Millionen kleine Tierchen, die Dreck lieben

In einem Becken fließt braune Brühe, in einem anderen blubbert es und wieder in einem anderen Becken sieht das Wasser ziemlich klar aus. Sie alle gehören zu einer großen Anlage: dem Klärwerk Ruhleben in der Stadt Berlin.

Dort wird dreckiges Wasser wieder sauber gemacht. „Das Klärwerk funktioniert komplett automatisch“, sagt Abwasser-Experte Stephan Natz. Er nimmt uns mit auf eine Schmutzwasser-Reise.

Als erstes öffnet er die Tür zu einem Gebäude: dem Rechen. So heißt eine Art großes Sieb darin. Es fischt alle Gegenstände aus dem Abwasser, die eigentlich nicht ins Klo gehören, Plastik etwa und Essensreste. Sie landen auf einem Förderband und anschließend in einem Container. Die nächste Station ist der Sandfang. Dort werden Sand, Kies und kleine Steine aufgefangen, die etwa mit Regenwasser in die Kanäle gespült werden. Im Sandfang sinken die Körner auf den Boden und werden in einen Trichter geschoben.

Nun sind zwar alle groben Teile aus dem Wasser. Aber sauber ist es noch lange nicht! Jede Menge Schlammteilchen sind noch darin. Diese setzen sich im Vorklärbecken auf dem Boden ab. Gleichzeitig schwimmt Fett an die Oberfläche. Beides wird herausgeholt.

Als nächstes fließt das Wasser ins Belebungsbecken. Millionen winzige Bakterien und andere Lebewesen mit lustigen Namen wie Pantoffeltier und Rädertier tummeln sich darin. Sie ernähren sich von bestimmten Stoffen im Wasser. Im Klärwerk sollen sie ideale Bedingungen vorfinden. „Wir rühren das Wasser zum Beispiel gut durch“, sagt Herr Natz. Er zeigt auf ein leeres Belebungsbecken. Darin sind Propeller zu sehen. Sie sorgen für Bewegung im Wasser. In einem zweiten Teil des Beckens liegen schmale Rohre auf dem Boden. Durch sie wird Luft ins Wasser gepumpt. Das hilft den Bakterien dabei, sich reichlich zu vermehren.

Nach etwa zwölf Stunden wird das Wasser ins Nachklärbecken geleitet. Hier werden die Bakterien zusammen mit den Stoffen, die sie gefuttert haben, zu Klärschlamm. Dieser sinkt langsam auf den Beckenboden ab und wird entfernt.

Und jetzt ist das Wasser klar und kann in einen Fluss oder See fließen. Und die Bakterien? Die meisten von ihnen werden zurück ins Belebungsbecken geleitet. Dort wartet schon die nächste Portion Schmutzwasser auf sie.

(dpa)
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