1. Karlo Clever

Bücherei: Lesehunde lieben lautes Vorlesen

Bücherei : Lesehunde lieben lautes Vorlesen

In manchen Büchereien sind Vierbeiner verboten, in anderen gehören sie sogar zu den Mitarbeitern: Denn die Tiere helfen Kindern beim Lesenüben – so wie Border Terrier Häxa.

Laut vorlesen ist gar nicht so einfach. Besonders wenn andere zuhören. Manchmal macht das ein mulmiges Gefühl, egal ob Erwachsene oder Kinder lauschen. Für Schülerinnen und Schüler, die das laute Lesen üben möchten, haben sich manche Büchereien deshalb etwasTolless überlegt: Lesehunde. Das sind liebe und geduldige Tiere, die sich gern dazu kuscheln, wenn jemand ihnen vorliest.

Das finnische Wort für Hexe

Besonders viele Lesehunde gibt es in Finnland. Das ist ein Land im Norden von Europa, wo es etwas kälter ist als in Deutschland. Einer von diesen Vierbeinern ist Häxa – das ist das finnische Wort für Hexe. Sie ist ein Border Terrier, sieben Jahre alt, sehr fröhlich und mag Menschen gern. Wenn sie jemand kennenlernt, kommt sie angelaufen und wedelt fröhlich mit dem Schwanz. Wenn man Häxa streichelt, spürt man, dass ihr Fell ein bisschen borstig ist.

  
 Das ist die Besitzerin von Häxa: Maija ist 60 Jahre alt und hat noch drei andere Hunde zu Hause.
Das ist die Besitzerin von Häxa: Maija ist 60 Jahre alt und hat noch drei andere Hunde zu Hause. Foto: Artikel von Anne Schröer über den Lesehund Häxa in Helsinki/Anne Schröer

Häxa hat heute Besuch von der zehnjährigen Hilla. Sie ist mit ihrer Mama zu Besuch in einer der vielen Büchereien von Helsinki, der größten Stadt in Finnland. Häxa und Hilla verstehen sich sofort prima und machen es sich in einem großen Sitzsack gemütlich. Hilla hat sich ein Buch aus den Regalen der Bücherei ausgesucht und fängt an, der kleinen Hündin vorzulesen. Ihre Mama und Maija, das Frauchen von Häxa, lassen die beiden extra in Ruhe.

Maija erzählt in der Zwischenzeit, dass es in Finnland seit fünf Jahren einen Verein gibt, der sich darum kümmert, dass Lesehunde in die Büchereien gehen. Maija hat vier Hunde und besucht mit ihnen nicht nur lesende Kinder in Büchereien, sondern auch Senioren in Altenheimen. Viele hatten früher selbst Hunde und freuen sich, mal wieder ein Tier streicheln zu können.

Weil nicht jeder Hund ein guter Lesehund wäre, schaut der Verein vorher, ob das Tier und sein Besitzer in Ordnung sind. Außerdem gibt es einen einwöchigen Kurs, bei dem auch die Besitzer viel lernen. Die Lesehunde müssen mindestens zwei Jahre alt und lieb zu Kindern sein. Weil das auf Häxa zutrifft, ist sie seit fünf Jahren ein Lesehund. Wenn sie im Einsatz ist, trägt sie ein gelbes Halstuch – quasi als Dienstkleidung. Das hat sie natürlich auch heute wieder um den Hals.

In dem großen Sitzsack hört Häxa ihrer neuen Freundin Hilla geduldig zu. Dem Hund ist es egal, wie gut oder schlecht Hilla liest, ob sie sich vielleicht verhaspelt, nuschelt oder in der Zeile verrutscht. Hilla erzählt später, dass sie es toll fand, dass ihr beim Lesen jemand zugehört hat. Und ihre Mama ergänzt noch, dass ihr aufgefallen ist, dass Hilla am Ende viel entspannter und auch lauter vorgelesen hat. Bestimmt wird das nicht das letzte Treffen von Hilla und Häxa sein.