1. Karlo Clever

Puppenspielen: Lebloses wird ganz lebendig

Puppenspielen : Lebloses wird ganz lebendig

Wenn Mirjam Schollmeyer eine Puppe in die Hand nimmt, dann erweckt sie die Figur zum Leben. Die Puppenspielerin hingegen wird fast unsichtbar. Wie das geht, erzählt sie uns.

Für Ayda geht es hoch hinaus. Das Mädchen ist eigentlich für alle und alles zu klein. Aber nun nimmt Ayda Platz auf den starken Schultern des Bären und ist auf einmal richtig groß. Plötzlich sieht die Welt völlig anders aus. Ayda hat Freunde gefunden, neben dem Bären auch noch den Hasen. Was kann ihr jetzt noch passieren!

„Ayda, Bär und Hase“ heißt ein Buch, das der Schriftsteller Navid Kermani vor vielen Jahren für seine Tochter geschrieben hat. Sie heißt Ayda, wie das Kind in der Geschichte. In der Stadt Siegen im Bundesland Nordrhein-Westfalen wurde aus dieser Geschichte ein Theaterstück. Die drei wichtigsten Figuren sind als Puppen zu sehen.

Wenn Ayda auf die Schultern des Bären klettert, dann wird sie von der Puppenspielerin Mirjam Schollmeyer gehalten. Und zwar mit beiden Händen. Die eine Hand steckt von hinten im Kopf der Puppe. Mit dieser bewegt die Puppenspielerin auch Aydas Mund. Denn das Mädchen spricht, singt, lacht und weint. Aber nur, weil Mirjam Schollmeyer das tut.

Es ist gar nicht so einfach

Die andere Hand der Puppenspielerin sorgt dafür, dass Aydas Schlenkerarme und Schlenkerbeine dort landen, wo sie hingehören. Zum Beispiel auf den Schultern des Bären. Es ist nicht leicht, das immer genau hinzubekommen. Mirjam Schollmeyer muss sich sehr konzentrieren.

Vier Jahre lang studierte sie an einer Hochschule in Berlin Puppenspielkunst. Sie lernte dort, eine Figur so zu bewegen, dass diese lebendig wirkt. Denn das ist das Besondere an einem guten Puppenspiel: Es macht aus einem leblosen Etwas eine lebendige Gestalt. Dazu braucht es handwerkliches Können und die Fähigkeit, sich in die Figur einzufühlen.

Deshalb musste die Puppenspielerin das Mädchen Ayda erst einmal gut kennenlernen. „Ich habe mir die Puppe genau angesehen, habe geschaut, was sie kann und wie beweglich sie ist“, sagt sie. Als Nächstes befasste sie sich mit der Persönlichkeit von Ayda: mit ihrer unendlichen Liebe zum Vater, ihrem unbedingten Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen, ihrer Einsamkeit und ihrer Sehnsucht nach Freunden.

Auf der Bühne sind die Puppe und die Puppenspielerin ganz eng miteinander verbunden. Wer im Publikum sitzt, achtet vor allem darauf, was die Puppe sagt und tut. Die Puppenspielerin macht sich fast unsichtbar. So trägt Mirjam Schollmeyer bei „Ayda, Bär und Hase“ auch beigefarbene Kleidung, also möglichst unauffällig.

Bei einer Puppenspielerin wie Mirjam Schollmeyer muss eine Figur übrigens nicht unbedingt wie ein Mensch oder ein Tier ausschauen. Sie kann alles Mögliche zum Leben erwecken! Selbst mit zwei Wasserflaschen oder einer Zahnbürste kann sie eine spannende Geschichte erzählen. (dpa)

(dpa)