1. Karlo Clever

Geräuschkulissen: Lärm ist nicht gleich Lärm

Geräuschkulissen : Lärm ist nicht gleich Lärm

An Baustellen, Straßen und Flugplätzen, manchmal auch in den eigenen vier Wänden: An vielen Orten ist es laut. Wird es zu viel, kann der ständige Krach sogar krank machen.

Was für ein Krach! Hast du das schon mal gedacht? Zum Beispiel, weil dich laute Musik im Haus gestört hat oder Lärm auf der Straße? Lärm macht vielen Menschen zu schaffen. Nur ab und zu – oder sogar täglich.

Was wir als Lärm empfinden, kann aber sehr unterschiedlich sein, sagt Jördis Wothge vom Umweltbundesamt. „Nicht alles, was laut ist, ist Lärm“, erklärt sie. „Zunächst einmal sind wir nicht von Lärm umgeben, sondern von Geräuschen. Erst wenn ich diese als störend wahrnehme, bewerte ich das als Lärm.“ Diese Bewertung kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Häufig kommt es auch auf die Situation an.

Ein Beispiel: Stell dir vor, du sitzt in deinem Zimmer und liest in Ruhe ein Buch. Dann macht jemand in deiner Familie laut Musik an. Nun kannst du dich vielleicht nicht mehr aufs Lesen konzentrieren. „Dann ist die Musik störend und wird damit zu Lärm“, sagt Jördis Wothge. „Derjenige, der die Musik hört, nimmt diese nicht als störend wahr. Für ihn ist es ein Geräusch und kein Lärm.“

Allerdings gibt es bestimmte Geräusche, die die allermeisten Menschen als störend empfinden, sagt die Expertin. „Natürliche Geräusche wie Regen, das Rauschen eines Wasserfalls oder von Wind, der durch die Blätter von Bäumen rauscht, nehmen Menschen nur selten als Lärm wahr.“ Geräusche von Autos, Flugzeugen und Zügen, oder von Maschinen wie Presslufthämmern und Rasenmähern werden oft als Lärm empfunden.

„Ob ein Geräusch stört, kann damit zu tun haben, ob man sich dem Geräusch ausgeliefert fühlt“, sagt Jördis Wothge. Ein lautes Gewitter etwa geht vorbei. „Wohnt man aber in der Nähe eines Flughafens, kann man sich gegen die täglichen Geräusche von dort nicht wehren.“

Zu viel Lärm kann zum Problem werden. Wer dauerhaft Lärm ausgesetzt ist, kann davon krank werden. „Lärm bedeutet Stress für den Körper und Stress kann krank machen“, erklärt Jördis Wothge.

Der Körper reagiert darauf etwa mit Kopfschmerzen oder Magenproblemen. Auch wenn ein Mensch wegen Lärm schlecht schläft, kann ihn das auf Dauer krank machen. Zum Beispiel kann er Probleme mit dem Herzen bekommen. Deswegen messen Forscher etwa an Straßen oder Flughäfen, wie stark die Lärmbelästigung für die Anwohner ist.

Doch was kann man tun, wenn man Lärm ausgesetzt ist? „Eine Möglichkeit ist es, dem störenden Geräusch ein angenehmes entgegenzusetzen“, sagt Jördis Wothge. Etwa mit leiser Musik, die man mag und die man im Zimmer hört, wenn draußen jemand den Rasen mäht.

Die Expertin sagt: Helfen kann es, sich regelmäßig Pausen an ruhigen Orten zu gönnen. Das könnte etwa ein Park sein. Statt sich über laute Musik zu ärgern, kann man dort bei Vogelgezwitscher entspannen.

(dpa)